Bei einer Fußknöchelgeschwulst wird ein Unter- oder ein kurzer Wickel gute Dienste tun und die Heilung beschleunigen, bei einer Kinngeschwulst ein Schal oder Halswickel, auch der kurze Wickel, bei einer Kniegeschwulst ein Wickel des ganzen Fußes. Es genügt täglich eine der genannten Anwendungen.

Kolik.

Kolik mit Abweichen oder mit Erbrechen tritt oft plötzlich auf. Man kennt keinen Grund und keine Veranlassung. Es kann eine Erkältung, eine Erhitzung vorangegangen sein, oder irgend eine Speise, ein Trank hat der Natur den Spuk gespielt. Man bringe einen derartigen Kranken ungesäumt ins Bett, lege ihm ein warmes Tuch (vielleicht auch eine Bettflasche)[43] auf den Leib und decke ihn gut zu (ja nicht zu peinigend), so daß keine Luft zudringen kann. Als Linderungsmittel reiche man ihm einen Schoppen Milch, in der Fenchel oder Kümmel gesotten wurde. Das einfache Hausmittel wird genügen.

Was die Speise und das Getränk betrifft, solange der Zustand dauert, so wähle man recht einfache, wenig gesalzene, wenig gewürzte, leicht verdauliche Speisen. Wem als Getränk Wasser oder Milch ausreicht, den lobe ich mir. Wasser mit etwas Wein kann ich auch nur empfehlen.

Kopfflechten.

Eine Bauerstochter erzählte: „Ich habe schon ungefähr zwei Jahre stets Kopfausschlag, auch im ganzen Gesichte, bald stärker, bald schwächer; unter den Haaren bilden sich viele größere und kleinere Geschwüre, aus denen hitzige Flüssigkeit kommt. Ich habe häufig ein starkes Beißen am Körper, im Innern merke ich beständige Hitze; ich habe schon viel eingenommen, besonders Abführmittel, geheilt wurde ich nicht.

Die Wasserkur hat mich in sechs Wochen ganz hergestellt. Ich mußte folgende Anwendungen 3 Wochen hindurch gebrauchen: 1) In der Woche dreimal in der Nacht vom Bett aus ganz waschen und gleich wieder ins Bett; 2) in jeder Woche zweimal ein nasses Hemd anziehen, in Salzwasser getaucht; 3) in der Woche einen Kopfdampf nehmen. Zur vollständigen Ausheilung und Kräftigung weitere drei Wochen: einmal in der Woche ein nasses Hemd anziehen und ein- oder zweimal in der Woche ganz waschen. Zum Einnehmen täglich zweimal jedesmal 20 Tropfen Ginster-Extrakt in einem Glas Wasser.“

Kopfleiden (eigener Art).

Ein Herr von hohem Stande hatte ein Kopfleiden ganz eigener Art. Es begann regelmäßig morgens 7 Uhr, dauerte bis abends zum Sonnenuntergang und war derart schmerzlich, daß der Herr nicht einmal leichte Sachen lesen, viel weniger die Schreibereien seines Berufes besorgen konnte. Zur Nachtzeit fühlte er keine Spur von diesem Schmerz; dieser war wie weggeblasen, vorausgesetzt, daß er nicht geistig sich angestrengt hatte. Die Schmerzstelle befand sich an der Stirne links und hatte den Umfang ungefähr eines silbernen Fünfmarkstückes. Die Schmerzen griffen nicht den Kopf allein, sondern auch den ganzen Körper dergestalt an, daß der Herr zusehends abnahm; mit dem frischen Aussehen wich auch die Kraft. Die berühmtesten Ärzte wurden um Rat gefragt, auch eine Wasserheilanstalt war schon besucht worden, aber ohne sichtlichen Erfolg. Da sandten die Ärzte den Patienten zum letzten Versuch nach Meran, und von da kehrte derselbe, wie es schien, glücklich geheilt in die heimatliche Großstadt zurück. Seine Angehörigen begrüßten ihn mit Jubel und freuten sich innig seiner Genesung. Doch am andern Morgen Punkt 7 Uhr kehrte der alte unheimliche Gast wieder und faßte Posto an der früheren Leidensstelle. Ein Ach und Weh war im ganzen Hause, und guter Rat war teuer. Bekannte erinnerten den Herrn noch einmal ans Wasser, und zuletzt entschloß man sich zu einem Versuche. Der hohe Herr sah recht krank aus und war ziemlich abgemagert. Nachdem er sein Leiden geschildert, bemerkte er noch, er sei selten ohne Katarrh und besitze auffallend wenig Naturwärme. Man wolle all dieses einem viele Jahre früher erlittenen Unfalle zuschreiben. Sei dem, wie ihm wolle, so schloß er ab, ich kenne jetzt seinen Zustand und solle ihn heilen.

Das üble Aussehen, die schwache Naturwärme, die daraus folgende Empfindsamkeit gegen den Wechsel der Atmosphäre, das Abmagern, alle diese Symptome traten als ebenso viele vollgültige Zeugen auf, welche nicht den schmerzenden Fleck am Kopfe, sondern die ganze kranke Natur, den ganzen entkräfteten Körper anklagten. Darnach richtete ich mein Verfahren ein. Auf den Gesamtorganismus wurde eingewirkt und das lokale Kopfleiden nicht einer Anwendung gewürdigt. Die einfachen Abhärtungsmittel mit einigen Waschungen, wie sie im ersten Teil aufgezählt werden, bewirkten die Heilung, d. i. die gleichmäßige Transpiration der Haut, die richtige Zirkulation des Blutes, gute Verdauung und damit die Hebung der Naturwärme, besseres Aussehen, völlige Gesundung. Immer die alte Geschichte, und doch kann man sie nie genug von neuem erzählen!