Nach 12 Tagen war die Person so weit voran, daß sich der Appetit zur gewöhnlichen Hausmannskost einstellte; die Krämpfe waren verschwunden, und der drückende Schmerz auf Brust und Magengegend hatte aufgehört; das Kopfweh war weg, Hände und Füße warm.

Die weiteren Anwendungen waren: jeden zweiten Tag die Füße ins kalte Wasser wie oben; zweimal in der Woche ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, 14 Minuten lang, und einmal in der Woche vom Bett aus ganz waschen und gleich wieder ins Bett. Statt Kamillentropfen hat sie Wermut- und Salbeitropfen genommen, jedesmal 10–12 Tropfen im warmen Wasser; die Kranke war so weit hergestellt, daß sie wieder in die Kirche gehen und ihre Hausarbeit verrichten konnte, und braucht sich, um vollständig gesund und kräftig zu werden, nur zweimal in der Woche kalt zu waschen; Halbbäder würden noch kräftigere Dienste tun.

Krätze.

Das verabscheute Übel der Krätze kann am und noch mehr im Körper viel Unheil anrichten. Am meisten zu beklagen ist, daß man, um (es sei das triviale Wort gestattet) diese Laus aus dem Pelz zu treiben, vielfach seine Zuflucht zu Mitteln nimmt, welche, statt zu heilen, grenzenlos schaden und den mißhandelten Körper ins größte Elend bringen können. Wer kennt alle die fettigen Salben mit Schwefel-, Branntwein- und, wer weiß, mit welch anderen Beimischungen? Eines tun diese ekelhaften Schmierarzneien: Sie verschließen gründlich die Poren der Haut, verbarrikadieren der zum Wohlbefinden des Körpers absolut notwendigen Transpiration durch fettige Krusten gründlich ihre Luft- und Wasserkanäle, treiben Schweiß und Ausdünstung in den Körper zurück, vergiften so Blut und Säfte und bereiten schwere Krankheiten vor, manchem die Todeskrankheit. Das ist nicht übertrieben, aber sehr betrübend, wenn man weiß, wie leicht und schnell und ungefährlich die Krätze zu heilen ist.

Bei mir suchte einmal ein 28jähriger, gutgewachsener Mensch Hilfe, dessen Aussehen mich sofort an ein durch und durch wurmstichiges Brett erinnerte. Nirgends fand er Rat; man wußte eigentlich nicht, was ihm fehle. Ich fragte ihn: „Haben Sie in der Jugend vielleicht einmal die Krätze gehabt?“ Er bejahte meine vorwitzige Frage, indes mit dem Aber: „Sie ist in drei Tagen geheilt worden.“ — So will ich nicht heilen. Gott bewahre!

Gerade bei derlei ekelhaften Krankheiten, die deutlicher als alles andere auf Giftiges schließen lassen, muß bei der Heilung obenanstehend der Grundsatz gelten: Was drinnen ist im Körper und nicht hinein gehört, das muß hinausgetrieben werden. Das Gegenteil praktizieren wollen hieße etwa ebensoviel als Ungeziefer in die Kleider und Haare, Erdkrebse in die Mistbeete, Mäuse in den Acker einpflanzen. Nach dem Grundsatze richten sich die Anwendungen, die das Ungesunde, Giftige hervorlocken, ausziehen, entfernen, nebenbei den ganzen Organismus zu kräftiger Mithilfe stärken müssen.

Erst nahm unser Kranker drei Tage nacheinander je ein warmes Bad (33° R.) mit Absud aus Fichtenreisern[44] mit dreimaligem Wechsel. Eine Seife tat ihm vortreffliche Dienste, die Poren allseitig zu öffnen und den Schmutz zu entfernen. Man muß einmal die Dinge mit ihrem Namen nennen, — ich kann nicht dafür, — wenn es auch manche Nerven etwas unangenehm affiziert. Nach den Bädern folgten als stärkende Anwendungen noch in der ersten Woche nächtliche Ganzwaschungen vom Bette aus und ein viertes warmes Bad mit kalter Abwaschung; in der zweiten Woche ein warmes Bad mit kalter Waschung und ein kaltes Halbbad mit Waschung des Oberkörpers; in der dritten Woche ein kaltes Ganzbad; in der Folge je innerhalb eines oder zweier Monate ein paar warme Bäder. Sollte die Heilung sich in die Länge ziehen, so kann mit den zwei letztgenannten Anwendungen fortgefahren werden. Selbst ein warmes Bad wöchentlich könnte nur gute Wirkungen haben.

In 6 Wochen war unser recht armseliger Patient geheilt und konnte sich endlich einen Beruf wählen. Bis heute dauert seine kräftige Gesundheit an; von dem früheren lästigen Übel hat er nie mehr das geringste verspürt.

Also behandelt man die nach innen gedrungene Krätze.