fürs erste, daß man die Fieberhitze nicht zu weit kommen lasse, es könnte sonst alle Kraft und aller Saft des Körpers elendiglich verbrannt werden;
fürs zweite, daß die Geschwüre, wenn schon solche vorhanden sind, ich sage am besten aufgelöst werden, oder daß, wenn sich noch keine Geschwüre gebildet haben, der Bildung derselben vorgebeugt werde, mit anderen Worten, daß der die Geschwüre füllende Giftstoff ausgeleitet werde;
fürs dritte, daß dieser Giftstoff möglichst schnell seinen Abschied aus dem Körper erhalte.
Kein Mittel wird sich zu dem dreifachen Zwecke tauglicher erweisen und sicherer als das Wasser: es kühlt, es löst auf, es wäscht aus.
Johann ging zur Beerdigung seines Bruders, der am Typhus gestorben war. Unvorsichtigerweise zog er ein Kleidungsstück des Verstorbenen an, und nach wenigen Tagen erfaßte auch ihn der Typhus im höchsten Grade. Groß war die Hitze, noch größer die Bangigkeit. Neben die Bettlade hatte sich Johann rasch eine Wasserkufe stellen lassen. Sobald die Hitze und die Bangigkeit recht fühlbar wurden, ging der Kranke ins Wasser auf höchstens eine Minute. Er setzte sich in die Kufe, so daß das Wasser bis in die Magengegend reichte, wusch schnell mit einem groben Handtuche den Oberkörper, zog rasch, ohne abzutrocknen, ein frisches Hemd an und legte sich wieder ins warme Bett. Drei Tage tat er also, jeden Tag drei- bis fünf- oder sechsmal. Eine Uhr hatte er zu diesem Zwecke nicht nötig. Die Fieberhitze war ihm die Badeuhr: den ersten Tag zeigte sie auf sechs, den zweiten auf drei, zuletzt auf ein einmaliges Eintauchen. In fünf Tagen war alle Gefahr vorüber. Doch jetzt ergriff der Typhus die Frau des Genesenden. Sie wandte dieselbe Kufe, welche der Mann gebraucht hatte, als Badewanne an. In wenigen Tagen war auch bei ihr das Übel geheilt.
Das Getränk beider Kranken bildete das Wasser, auch gestandene (geronnene Milch). Gegessen wurde gar nichts, bis geweckter Appetit eintrat. Dann spazierte bei den armen Leutchen auf: Brotsuppe, Milchsuppe, Brennsuppe, auch ein Kartöffelchen, selbst zwei schadeten nicht im geringsten. Nach wenigen Tagen erfolgte die Rückkehr zur gewöhnlichen Kost.
Max, ein halber Riese, besuchte den am Typhus erkrankten Schwager Johann; er glaubte, so eine Krankheit könne ihm nichts anhaben. Nach acht Tagen indessen bricht die Riesenkraft, und der Heldenmut macht sich Luft in Jammertönen. „Ich kann nicht mehr gehen, nicht mehr stehen; mich drückt’s, und nach allen Seiten tut’s mir weh.“ Er hat den Typhus gefangen.
Eine Badewanne besaß Max nicht, wohl aber ein größeres Holzgefäß. Da kniete er hinein und wusch sich mit einem rauhen Handtuche und dem kältesten Wasser (in zirka einer Minute) den ganzen Körper, so oft die Hitze einen hohen Grad erreichte.