Acht Tage setzte er diese Kur fort. Nach sechs Tagen verlangte er schon nach der Suppe; nach zehn Tagen stand er auf und hatte in kurzer Zeit die verlorenen Kräfte wieder erlangt. Der Genesene ward später andern gleichfalls an Typhus Erkrankten ein kundiger Lehrmeister.

Zu einer Zeit, in welcher innerhalb fünf Wochen ungefähr 20 Personen durch die oben beschriebenen Anwendungen geheilt und gerettet wurden, erbte auch ein zweijähriges Kind den Typhus. Niemand hatte geglaubt, daß das zarte Geschöpflein dem Tode entrinnen würde. So oft es recht jammerte und weinte, tauchte es die Mutter bald in etwas (durch warmes Wasser) gemildertes Wasser mit folgender Abwaschung, oder sie wickelte das Kleine in Linnen ein, welches in lauwarmes Wasser getaucht war. Nach zwölf Tagen war das kleine Wesen wieder frisch.

Solchen Kranken, die leicht ein erstes Erschrecken ganz von dem kalten Wasser abwendig machen könnte, gestatte ich sehr gerne gemildertes, etwas gewärmtes Wasser zu den Anwendungen, lediglich aus dem soeben angegebenen Grunde. Immer bleibt im allgemeinen das frischeste Wasser das zur Anwendung beste, sei es Brunnen-, Bach- oder Quellwasser.

Ein Mädchen wird aus dem Institute heimgeschickt. Es klagt über heftiges Kopfweh, raschen Wechsel von Hitze und Kälte und ziemlich starkes Abweichen. Zum Arbeiten, Gehen ist das Kind unfähig.

Am ersten Tage wusch man der Kranken dreimal Rücken, Brust und Unterleib und band einmal zwei Stunden lang ein nasses Handtuch auf den Unterleib. Den zweiten Tag nahm sie Halbbäder mit Waschung des Oberkörpers, so oft die Hitze dieses verlangte. Am dritten Tage genügten bereits zwei, am vierten ein solches Halbbad. Das Kind war außer Gefahr und schnell wieder frisch.

Mehr denn ein Dutzend Fälle könnte ich aufführen, in denen Kranke, die nach allopathischen und anderen Methoden behandelt wurden, schließlich so armselig, so blut- und säftearm, so ausgezehrt wurden, daß sie sich gar nicht mehr recht erholten. Die fatalen Betäubungsmittel, das teure Chinin usw. hatten den Magen insbesondere in den miserabelsten Zustand gebracht.

Solchen überaus geschwächten Typhus-Rekonvaleszenten rate ich gewöhnlich, sie sollen drei- bis viermal im Tage eine kleine Tasse Wermuttee trinken, bald werden sich reichliche und gute Magensäfte bilden; dann mögen sie sich täglich drei- bis viermal Rücken, Brust und Unterleib kräftig mit Wasser und Essig waschen lassen.

Freilich gehört eine große Entschlossenheit dazu, besonders wenn der Herr Patient den sogenannten gebildeten Kreisen angehört, das allgemein gefürchtete Wasser anzuwenden. Zarten Seelen, welchen diese mit gewisser Vorliebe sogenannte „Roßkur“ leise Ohnmachtsanfälle bereiten könnte, gebe ich den Rat, sie mögen einen Schwamm nehmen, ihn in kaltes Wasser eintauchen und sich damit Brust und Unterleib waschen, wie sie jeden Morgen sich Gesicht und Hände waschen. Tun sie dieses nur einen Tag lang, sie werden recht bald die wohltuenden Wirkungen verspüren und mit Mut und Vertrauen auch ihren Rücken und die anderen Körperteile dem Wasser anbieten.

Wem auch solches zu hart, zu arg und zu mühsam ist, der tue, wie er wolle. Die Folgen hat der Patient selbst allein zu tragen.

Große Angst befällt die Vorsteher einer Anstalt, wenn in einem Hause oder gar in einem Institute so eine ansteckende Krankheit aufkommt. Ohne Übertreibung behaupte ich: Wenn in einem Schlafsaale 10 Kinder liegen, und es bekommt eines den Typhus, sicher wird bei dieser Behandlungsweise mit Wasser kein zweites Kind angesteckt werden. Die Ansteckung geschieht ja meistens durch die ungesunde Ausdünstung des Körpers. Nach unserer Methode aber saugen die nassen Tücher diese ein und ersticken so die Ansteckungsstoffe im Keime. Bei stets erneuter reiner Luft ist der Atem nicht besonders zu fürchten. Daß die Exkremente solcher Kranken stets so schnell als möglich entfernt und, wenn immer tunlich, an separaten Orten ausgeschüttet werden müssen, versteht sich von selbst.