Wir antworten mit einem kühnen „Ja“. Die ersten Anwendungen müssen selbstverständlich auflösender Natur sein und besonders auf Kopf und Füße wirken. Nebenbei muß auf Auflösung im Innern eingewirkt werden. Auch stärkende Anwendungen können dazwischen hineinfallen. Die Anwendungen waren der Reihe nach ungefähr folgende: Kopfdampf, 24 Minuten lang, mit darauf folgendem Ober- und Unterguß, Fußdampf, Ober- und Unterguß, kurzer Wickel, Kopfdampf, Ober- und Unteraufschläger, kurzer Wickel, warmes Bad mit einem Wechsel ins kalte Bad, Kopfdampf, Ober- und Unteraufschläger. Auf jeden Tag fiel eine oder (je nach Befinden des Patienten) zwei Übungen. So wurde 3–4 Wochen lang fortgefahren. Darauf folgten einige Zeit hindurch wöchentlich noch zwei Ganzwaschungen, am besten nachts vom Bette aus, außerdem jede Woche ein Halbbad, ein bis zwei Minuten lang. Nach innen beschleunigten die Heilung zwei bis drei verschiedene Tees, die abwechselnd genommen wurden.

Die Tees bestanden aus Mischungen von Schafgarbe, Salbei, Johanniskraut, drei bis viermal in der Woche eine Tasse; von Wacholderbeeren, Spitzwegerich (ebenso genommen).

Zwei Bemerkungen erachte ich an dieser Stelle noch für angebracht. Bei unserem Falle war besonders auf reichliche Transpiration zu sehen, da viele der im Krankenbilde erwähnten Störungen, wie die verzerrten Gesichtszüge und die aufgedunsene, schwammige Masse, klar auf Anstauungen und Verhärtungen schließen ließen, die zum Teil nach außen sichtbar zu Tage traten, zum Teil versteckt im Innern lagerten.

Bei den Anwendungen findet sich der Fußdampf nur einmal, der Kopfdampf öfters. Warum das? Der Kopf war aufgedunsen, die Füße der Hünengestalt spündeldürr. Auf den Kopf durfte der Dampf, ohne Schaden fürchten zu müssen, wiederholt wirken — er fand sein Arbeitsfeld. An den Füßen war nichts zu tun, sie waren schon mager genug, und die verlorene Wärme an denselben mußte durch andere Mittel wieder hergestellt werden. In derlei Fällen läßt sich mit den Dämpfen, die stets Vorsicht erheischen, nicht spassen. Bis zur Schwindsucht haben derlei geschwächte Naturen ohnedies nur einen Schritt.

Der Herr schied mit großem Danke und in sichtlicher Besserung.

Unterleibsentzündung

siehe oben [Seite 210].

Unterleibsverschleimung.

Es kommt ein Herr und erzählt: „Ich habe beständig große Schmerzen in der Nierengegend; es wird mir oft fast unerträglich. Die Ärzte, deren ich mehrere hatte, erklären es als Nierenleiden und Anschoppungen im Unterleibe; ich fühlte auch stets mehr oder weniger starken Drang nach oben, hatte viel Reiz zum Erbrechen, heftiges Kopfleiden, viel Schwindel, weiß mich oft kaum recht zu halten, viel Säure im Magen; es geht sehr wenig Urin ab; ohne Fußschmerz bin ich gar nie, und stehen kann ich nur ganz kurze Zeit. Ich habe viel Schweiß und große Müdigkeit; meine Gesichtsfarbe ist stets abgestanden. Ich bin etwa vierzig Jahre alt.“