Einfache, arme Land- und Bauersleute können diese ganze Geschichte viel einfacher haben. Sie suchen sich einen alten, ziemlich abgenützten, deshalb weniger steifen Getreidesack aus, tauchen denselben ins Wasser, winden ihn ordentlich aus und schlüpfen dann bis unter die Arme in den Sack, gleich als wenn sie die Hosen anziehen würden. In dieser altmodischen Tracht legen sie sich auf die ausgebreitete Wolldecke ins Bett und wickeln sich in diese und das Federbett tüchtig ein. Hunderte haben diese Art von „Sackjucken“ probiert. Schäme dich nicht, der Sack wird auch dir recht wohl bekommen!

Die Wirkung des Unterwickels, welcher stets mit anderen Anwendungen verbunden wird, ist verschieden: wärmend, auflösend und ausleitend. Er übt diese Wirkung, wie bereits gesagt wurde, vornehmlich aus auf den Unterleib. Bei Fußgeschwülsten, rheumatischen und gichtischen Zuständen, bei Nierenleiden, Blähungen, Krämpfen usw. wird er regelmäßig zur Mithilfe beigezogen werden.

Anstatt des einfachen kalten oder warmen Wassers verwende ich sehr häufig zum Eintauchen die Absude von Heublumen, saurem Heu, Haberstroh, Fichtenreisern. Das saure Heu gilt als Ersatzmittel für Heublumen. Beide dienen bei Harnbeschwerden und in untergeordneter Weise bei Gries- und Steinleiden.

Absud von Haberstroh hat sich jederzeit bewährt bei der Gicht, bei Gries- und Steinleiden; Absud von Fichtenreisern bei schwächlichen Naturen zur Ausleitung von Gasen und zur Beseitigung der verschiedensten krampfhaften Zustände im Unterleib.

6. Der kurze Wickel

ist der am meisten genannte und gebrauchte. Er bildet für sich allein eine abgeschlossene Anwendung, d. h. er wirkt, ohne daß andere Wasserübungen beizuziehen sind, auf den ganzen Körper. Er steigert die Naturwärme und zieht anderseits zu große Hitze aus, je nachdem seine Anwendung längere oder kürzere Zeit dauert.

„Dieser Wickel ist alles wert,“ hat einmal einer gesagt; „was der Sattelgaul am Fuhrwerke, das leistet er unter den Wickeln.“

Zu seiner Beliebtheit und allgemeinen Verbreitung hat sehr viel der Umstand beigetragen, daß ihn ein jeder selbst leicht und bequem nehmen und umlegen kann. Der kurze Wickel beginnt wie der Unterwickel seine Wickelungen unter den Armen und beendet sie oberhalb der Knie. Ein grobes Linnentuch wird 4–6fach in solcher Breite zusammengefaltet, daß es den Körper in besagter Weise umhüllt, sodann naß gemacht, ausgewunden und gut anschließend umgelegt. Eine Wolldecke schließt luftdicht ab, und das Federbett gibt die notwendige Wärme. (S. [Abbildung].)