Ich möchte eine Turnübung besonders empfehlen, die ich selbst angewendet habe, und die auch die alleinige Ursache ist, daß ich zu meinem Berufe gekommen bin und jetzt noch lebe. Auch mich hatte das Bestreben, schnell zu meinem Ziele zu kommen, dazu gebracht, mehr leisten zu wollen, als die Natur ertragen konnte. Ich wurde bald unfähig, weiter zu studieren. Ein vorzüglicher Arzt besuchte mich in zwei Jahren 195mal und konnte mir nicht helfen. Da wurde mir das Wasser gleichsam ein rettender Engel, und dieses möchte ich daher auch Anderen dringend empfehlen. Aber man muß nur recht vernünftig verfahren bei Anwendung desselben, sonst steigert sich nur das Übel, statt daß es gehoben wird. Man hat allerdings auch Badeanstalten, und die Jugend wird dort im Schwimmen unterrichtet. Man bleibt jedoch gewöhnlich zu lange im Wasser, und das Schwimmen selbst mag wohl einem kräftigen Menschen gut thun, wenn es nicht zu oft geschieht, aber ein Schwächling vermag es nicht auszuhalten. Das Wasser ist unstreitig das beste Mittel für Gymnastik, es kräftigt die ganze Natur, bringt das Blut in geregelten Lauf, erhält und vermehrt die Körperwärme und gibt den besten Schutz gegen Kälte und Hitze. Ich muß aber nochmals bemerken: Vor Allem nur mäßig, wenn eine gute Wirkung erreicht werden soll! Welches möchten aber wohl für junge Leute die besten Anwendungen sein? Der Jugend kann nichts mehr empfohlen werden, als die Abhärtung durch Barfußgehen im Garten, im Freien, auf nassen Steinen und selbst auf dem Zimmerboden. Eine gute Abhärtung ist es schon, am Abend vor dem Schlafengehen ¼ Stunde auf dem Zimmerboden barfuß zu gehen. Wie am Abend, so kann es auch in der Frühe geschehen. Ich bin überzeugt, solche, welche dieß thun, werden nicht leicht oder gar nie Fußschweiß bekommen, weil der ganze Organismus dadurch abgehärtet wird und besonders die Füße. Die beste Anwendung außer diesen bezeichneten Abhärtungsmitteln ist ein Halbbad von der Dauer einer halben bis höchstens einer Minute. Durch viele Erfahrung bin ich zur Überzeugung gekommen, daß die jungen Naturen dadurch viel kräftiger und ausdauernder werden und daß so auch ganz besonders auf den Geist günstig eingewirkt wird. Es ist fast unglaublich, welche guten Folgen ein solches Halbbad auf den Körper hat, wenn es längere Zeit angewendet wird.
Ein junger Priester beklagte sich einst, daß ihm das Predigen so schwer sei; er habe häufig Blutandrang nach dem Kopfe, und diesen fühle er besonders, wenn er öffentlich auftrete. Nach der Predigt sei er gewöhnlich ganz entkräftet. Ich rieth dem jungen Herrn, er solle ¼ Stunde vor der Predigt ein Halbbad nehmen fünf bis sechs Sekunden lang. Nach ungefähr fünf Jahren versicherte er, daß ihm die Befolgung meines Rathes vortrefflich bekommen sei; er nehme regelmäßig vor der Predigt ein Halbbad; dann rede er viel leichter und fühle nachher keine Schwächen.
Einem Studierenden in der dritten Gymnasialklasse, der über Schmerz und Eingenommenheit im Kopf sich beklagte, rieth ich, wenn möglich, täglich ¼ Stunde barfuß zu gehen in freier Natur, dann jeden zweiten Tag ein Halbbad zu nehmen und dieß längere Zeit fortzusetzen. Nach drei Monaten war das Kopfweh verschwunden und sein Geist neugestärkt.
Wenn ich in den Schulen für Gesundheit des Körpers zu sorgen hätte, so müßte Gelegenheit geboten sein, daß die jungen Leute Halbbäder nehmen könnten. Wenn sie einen Monat lang dieselben gebraucht und die wohlthätigen Folgen für Körper und Geist an sich erfahren haben, so gebrauchen sie gern solche Stärkungsmittel. Wenn also das vernünftige Turnen seine guten Wirkungen hat und deßhalb auch geübt werden soll, so darf das Wasser als das vorzüglichste Gesundheitsmittel nicht ausgeschlossen werden; man soll es vielmehr recht fleißig anwenden.
[Seminarleben.]
Ich kenne einen Bauernhof, der vom Pfarrorte eine halbe Stunde entfernt ist. Dieser wurde bewirthschaftet von einem recht tüchtigen Landmann und seiner vortrefflichen Frau. Der Himmel hatte denselben 12 Kinder gegeben, und diese wurden auf's Strengste unterrichtet in der hl. Religion, in den häuslichen Arbeiten und in Allem, was für Bauersleute nothwendig und nützlich ist. Die Kinder wuchsen gesund und kräftig heran, sie lernten und arbeiteten fleißig, und so hatten die Eltern an ihren Kindern eine große Freude; als dieselben das Alter erreicht hatten, in welchem sie einen bestimmten Beruf antreten konnten, kam das eine dahin, das andere dorthin, und in wenigen Jahren waren alle zwölf aufs beste versorgt.
Es wird vielleicht Mancher fragen: Wie kam es doch, daß diese Familie so gesunde und tüchtige Kinder hatte? Die Gründe sind folgende: erstens die freie und gesunde Luft, die auf den menschlichen Körper höchst vortheilhaft einwirkt und von den Kindern täglich in Fülle eingeathmet wurde; dann die Landarbeit, welche den Körper ungemein kräftigt; drittens die einfache Kost, die alle erforderlichen Nährstoffe in reichlichem Maße enthielt und von den Kindern auch gut verwerthet wurde, weil sie kräftige Naturen hatten. Es muß nämlich wohl beachtet werden, daß viele Leute freilich eine gute, kräftige Kost essen, aber ihre schwachen Naturen vermögen sie nicht zu verarbeiten, und deßhalb bleibt eine Menge der in derselben enthaltenen Nährstoffe unbenützt. Überdieß blieb jenen Kindern Alles fern, was die Gesundheit verdirbt, als geistige Getränke, hitzige Gewürze, Kaffee &c. Auch wurden sie nicht durch die Kleidung verweichlicht, indem sie nur die einfache Landestracht erhielten. Ganz besonders aber verdankten sie ihr Glück der vernünftigen und religiösen Erziehung.
Dieses Familienleben, mit seiner Erziehung und seinem Unterricht, ist mir ein Bild von einem Seminar, in dem ein oder mehrere Vorstände die Stelle von Vater und Mutter einnehmen müssen, die für das geistige und leibliche Wohl der Zöglinge an Eltern Statt zu sorgen und jeden zu seinem Berufsleben fähig und tüchtig heranzubilden haben. Soll dieses Ziel erreicht werden, so ist das Hauptgewicht natürlich auf die religiöse Erziehung zu legen. Es ist etwas sehr Schönes, wenn eine größere Anzahl junger Leute in einem Seminar mit einander zusammen lebt, lernt und sich übt, und dann später Alle, der Eine in diesem, der Andere in jenem Berufe, gemeinsam dahin streben, Gottes Ehre und das Wohl der Menschen zu befördern. Das wird aber nur dann zu erwarten sein, wenn Allen im Seminar die Religion recht tief eingeprägt wurde. Möchten Dieß doch die Vorstände in Erziehungsanstalten recht berücksichtigen, weil dort, wo die Religion fehlt, alle übrigen Kenntnisse oft mehr Unheil als Nutzen stiften.