Aber das Gedicht ist nicht das Merkwürdige für mich. Das Merkwürdige ist, daß ich die Gabe habe, zu reimen, daß ich zu den Auserwählten gehöre.

In den nächsten Jahren schreibe ich zur Zeit und zur Unzeit, früh und spät, Tag und Nacht Verse. Der größte Teil von diesen Dichtungen ist vernichtet; und das wenige, was übrig blieb, ist recht schwach.

Von dieser ganzen Schriftstellerei gibt es nur ein kleines Stückchen, an dem ich meine Freude habe, und das ich mir zuweilen selbst wiederhole, wenn ich unter dem Dunkel der Bäume stehe und das Licht der Abendsonne über Flur und Tal lodern sehe:

Wie dunkel ist es doch unter der Linde
Wie ängstlich still wehen die Winde.

Die Aufnahmeprüfung

Ich bin dreiundzwanzig Jahre alt und befinde mich wieder in Stockholm, in demselben freundlichen Heim, das mich aufnahm, als ich ein neunjähriges Kind war. Ich bin in die Hauptstadt gekommen, um Aufnahme in dem Höheren Lehrerinnenseminar zu finden. Ich habe die Prüfung gemacht; gestern war der letzte Tag, und nun sitze ich da und warte darauf, zu hören, ob ich durchgekommen sei, ob ich in die Anstalt aufgenommen würde.

Das ist ein langer Tag. Es ist fast unmöglich, ihn zu Ende zu bringen. Wir sind beinahe eine ganze Woche geprüft worden, und das war nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Es waren Tage voll starker Spannung, aber es ist doch immer etwas vorgegangen. Es war Kampf und Wettbewerb, und bisweilen ist es sogar ganz lustig gewesen. Die Prüfer waren äußerst wohlwollend und haben keine übertriebnen Ansprüche gestellt. Im großen und ganzen glaube ich, daß ich bei den Prüfungen ganz gut bestanden habe. Aber unglücklicherweise genügt es nicht, wenn man gut besteht, — man muß es auch noch besser machen als viele andre.

Nicht mehr als fünfundzwanzig Schülerinnen können jedes Jahr ins Seminar eintreten; und es sind neunundvierzig, die Aufnahme suchen. Darin liegt das Schreckliche. Wir sind in kleinen Gruppen von drei und drei geprüft worden; und darum weiß ich nicht, wie die andern die Probe bestanden haben. Aber ich denke mir, daß diese andern in ordentliche Schulen in Städten gegangen sein würden. Sie hätten nicht ihr ganzes Leben lang auf dem Lande gewohnt und ihre ganze freie Zeit dazu verwendet, unnütze Verse zu schreiben. Es sei nur natürlich, wenn sie alle viel besser beschlagen wären als ich.

Dieses ganze letzte Jahr habe ich in Stockholm verbracht und habe einen Kurs absolviert, mich für diese Aufnahmeprüfung vorzubereiten. Aber es ist ja nur ein Jahr, in dem ich ordentlich studiert habe. Die andern haben große achtklassige Schulen durchgemacht ...

Wir sollen unser Schicksal erst spät am Nachmittag erfahren. Zu denen, die die Prüfung nicht bestanden haben, kommt ein Diener mit einem Brief, der ihnen mitteilt, daß sie in diesem Jahre nicht in das Seminar aufgenommen werden könnten. Bin ich hingegen glücklich durch, so bekomme ich keinen Brief, gar keine Nachricht. Dann kann ich am nächsten Morgen ganz ruhig zum Seminar hinaufwandern und meine Studien beginnen. Aber noch ist es mitten am Tage. Es müssen noch viele Stunden hingehen, ehe ich ernstlich den Diener mit dem gefürchteten Brief erwarten kann.