Aber jetzt habe auch ich ein paar gereimte Zeilen zusammengestellt. Ich wiederhole sie mir einmal ums andre. Ich spreche sie halblaut. Ich singe sie leise. Aber ich versuche nicht, weitere Zeilen hinzuzufügen. Ich bin viel zu erstaunt darüber, was mir widerfahren ist.

Stelle dir vor, daß du als armes Bettelkind aufgewachsen bist und ganz plötzlich die Gewißheit erlangst, ein Königskind zu sein!

Stelle dir vor, daß du blind warst und plötzlich sehend wirst, daß du bettelarm gewesen und auf einmal reich bist, daß du ausgestoßen und freudlos warst und ganz unvermutet einer großen, warmen Liebe begegnest! Stelle dir was du willst an großem unerwartetem Glück vor, und du wirst dir doch kein größeres denken können, als das ich in diesem Augenblick empfand.

Ich konnte reimen. Ich konnte Verse machen. Ich hatte dieselbe Gabe wie Tegnèr, Runeberg, Wallin. Ich würde werden wie einer von ihnen.

Ich hatte ja schon lange daran gedacht, Romane und Theaterstücke zu schreiben. Aber das ist lange nicht so merkwürdig wie Verse schreiben. Das ist nur hübsch und vergnüglich; aber Verse, — das ist das Hohe und Edle. Das ist das Ruhmvolle und Anbetungswürdige. Das ist das Allerwunderbarste.

Ich verschweige den Meinen die große Entdeckung. Aber ich gehe den ganzen Tag wie im Taumel umher, höre garnichts, was man mir sagt, sondern antworte ganz verkehrt.

Ich sehe uns noch alle an jenem Tag beim Abendbrot vor mir. Da sitzen Vater und Mutter. Da sind meine Schwestern, die Tante, die Erzieherin. Und da bin ich selbst, klein und blaß, mit langem Haar, ganz wie alle andern Kinder. Vater führt wie gewöhnlich das Wort. Er scherzt mit der Tante und der Erzieherin. Es geht fröhlich und munter her, aber das Gespräch bewegt sich um die alleralltäglichsten Dinge. Was würden sie sagen, die anderen, wenn sie eine Ahnung von den wilden Hoffnungen hätten, die in meinem Kopfe stürmen!

Was mich beunruhigt, ist Tante Wennerviks Weissagung. Darin kam nichts davon vor, daß ich etwas Großes und Merkwürdiges werden solle. Aber wer Verse schreibt, der ist doch eine Größe, der ist fast noch mehr als ein König. Ich bekomme Angst, daß ich mich geirrt haben könnte, daß ich doch nicht die Göttergabe hätte.

Da wiederhole ich mir selbst den kleinen Reim, und wieder fühle ich mich unendlich stolz, unendlich glücklich.

Als es endlich Nacht wird, will ich versuchen, was diese neue Gabe vermag; und ich beginne ganz getrost, ein Poem zu verfassen. Ich liege bis zum Morgen wach und binde und knüpfe Wort an Wort. Ich füge Verszeile an Verszeile und habe bis zum Morgen eine Menge Strophen fertig.