Noch vor dem Abend ist alles fertig, und das Schauspiel geht in Szene. Zuschauer sind Vater, Mutter, Tante, die Erzieherin, die Haushälterin und ein paar Dienstmädchen. Sie sitzen alle in einer engen Türöffnung und können nicht viel von der Bühne sehen. Aber das macht nichts. Sie unterhalten sich doch unbeschreiblich gut.

Wir haben ein junges Mädchen als Pensionärin im Hause. Sie ist sehr reizend und geht in einem alten Ballkleid meiner Mutter umher und spielt die Liebhaberin: »Meine Rose im Walde«. Meine älteste Schwester, die auch zwölf Jahre alt ist, hat sich mit Vaters allerältester Uniformjacke herausstaffiert und spielt den Liebhaber. Sie ist ganz unbeschreiblich niedlich. Sie hat wirklich Anlagen für den schauspielerischen Beruf. Unsere Kammerjungfer gibt die Rolle der Haushälterin, und ich selbst habe es übernommen, einen siebzigjährigen Greis zu spielen. Es muß ein Greis mit langem, weißem Haar im Stücke vorkommen, und ich wähle diese Rolle, weil mein Haar sehr lang und ganz weiß ist.

Wir haben einen großen, großen Erfolg. Ich möchte wissen, was der alte Franz Hedberg gesagt haben würde, wenn er sein Stück auf diese Weise aufgeführt gesehen hätte, aber auch er wäre vielleicht mit uns zufrieden gewesen.

Doch von diesem Tage an träume ich nicht nur davon, Romane zu schreiben. Jetzt will ich auch Theaterstücke verfassen. Ich sehne mich danach, erwachsen zu sein, damit ich nicht mehr am Schultisch sitzen und meine Zeit mit Lektionen und Aufgaben vergeuden muß.

Wie dunkel ist es doch unter der Linde

Es ist ein schöner Frühlingsabend, und ich gehe in dem kleinen Hain hinter dem Garten auf und ab. Sowie ich auf einem der geschlängelten Pfade an die Grenze des Haines komme, schlägt mir das blendendste Licht entgegen. Weite Fluren breiten sich vor mir aus, und der Sonnenschein zittert in dem feuchten Dunst, der von den frischgepflügten Feldern aufsteigt. Auf einer Seite leuchtet die Luft wie Purpur, auf der andern sieht es aus, als wäre sie von Goldstaub erfüllt.

Drinnen unter den Bäumen ist es jedoch merkwürdig finster. Sie haben sich erst ganz kürzlich belaubt, ich bin das grüne Dunkel noch nicht gewohnt, das im Sommer unter ihnen zu herrschen pflegt. Ganz plötzlich, gerade als ich aus dem Licht vor dem Hain wieder unter die Bäume trete, kommen mir ein paar Reime auf die Lippen:

Wie dunkel ist es doch unter der Linde,
Wie ängstlich still wehen die Winde.

Was nun? Was war das? Ich stehe da und wage kaum zu atmen. Das sind ja Reime. Das ist ja ein Vers. Kann ich Verse machen?

Ich bin fünfzehn Jahre, und ich habe alle Dichter gelesen, die wir zu Hause haben: Tegnèr, Runeberg, Frau Lengren, Stagnelius, Vitalis, Bellman, Wallin, Dahlgren. Aber nie zuvor ist es mir eingefallen, daß ich Verse schreiben könnte. Verse machen, — das ist ja etwas Hohes und Heiliges. Seine Gedanken in Reim und Metrum niederschreiben zu können, — das ist eine Gabe, die nur den Auserwählten der Menschheit beschieden ist.