Eva Fryxell war die Tochter des großen Historikers Anders Fryxell, der Probst in der Nachbargemeinde war. Sie war selbst Schriftstellerin und dazu eine hochgebildete Dame. Sie pflegte die Winter in Stockholm zu verbringen, wo sie in den literarischen Kreisen jener Zeit verkehrte.
Sie hatte mich die Verse sprechen hören, und nun wollte sie mit mir reden.
Sie fragte mich, ob ich zu schriftstellern pflegte, und ob ich schon viele Gedichte geschrieben hätte. Sie forderte mich auf, ihr meine besten Sachen zu schicken. Sie wolle versuchen, sie in einer Zeitung unterzubringen.
Sie war sehr freundlich, und sie machte mich sehr, sehr glücklich.
Aber dann verging der ganze Herbst, der ganze Winter, ohne daß ich etwas von ihr hörte. Endlich im Frühling kam ein großer Brief von Eva Fryxell. Sie schickte mir alle meine Gedichte zurück: keine Zeitschrift hätte sie annehmen wollen. Aber sie schrieb nicht nur davon. Sie schrieb, ich müsse es so einrichten, daß ich in die Welt hinauskomme. Ich müsse arbeiten, etwas lernen, sonst könne nie etwas aus mir werden.
Und wohl hauptsächlich auf ihre Ratschläge hin hatte ich mich vor einem Jahre von daheim losgerissen. Das ganze letzte Jahr hatte ich kaum eine Zeile gedichtet, sondern nur studiert, nur gearbeitet, all das nachzuholen, was mir fehlte.
Und die Liebe zu den Studien war in mir erwacht. Ich sehnte mich nach diesen drei Jahren auf dem Seminar, nach diesen drei Jahren der starken intensiven Arbeit und des Fortschreitens.
Ab und zu klingelt es draußen, dann schrecke ich auf und frage mich, ob das der Diener mit dem furchtbaren Brief sei. Man hat mir gesagt, er könne nicht vor fünf Uhr nachmittag kommen, aber — wer weiß! — es wäre ja möglich, daß die Entscheidung in diesem Jahre früher fiele.
Die Hoffnung sinkt mit jedem Augenblick. Natürlich wüßten alle die andern mehr als ich. Und natürlich hätte ich oft unrichtig geantwortet, wenn ich es auch selber nicht bemerkt hätte.
Es schlägt drei Uhr. Noch zwei Stunden, ehe man ernstlich eine Entscheidung erwarten kann ...! Da läutet es wieder.