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Etwas später am Tage saß die Hausmutter wieder auf demselben Platz und las in ihrer Bibel. Sie war allein. Die Frauen waren zur Kirche gegangen, und die Männer waren auf der Bärenjagd im Hochwalde. Sowie Ingmar Ingmarson gegessen und getrunken hatte, hatte er die Söhne mitgenommen und war in den Wald auf die Bärenjagd gegangen. Denn es ist nun einmal so, daß es eines Mannes Pflicht ist, den Bären zu fällen, wo und wann er ihm auch begegnet. Es geht nicht an, einen Bären zu schonen; denn früher oder später findet er doch Geschmack am Fleische und verschont dann weder Mensch noch Tier.
Aber seit sie auf die Jagd gegangen waren, war eine große Angst über die alte Hausmutter gekommen, und sie hatte zu lesen begonnen. Jetzt machte sie sich daran, was an diesem Tage in der Kirche gepredigt wurde, aber sie kam nicht weiter als bis zu dem Wort: »Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.« Sie blieb sitzen und starrte mit ihren erlöschenden Blicken diese Worte an, und von Zeit zu Zeit stieß sie einen tiefen Seufzer aus. Sie las nicht weiter, sondern wiederholte nur ein Mal ums andre mit langsamer schleppender Stimme: »Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.«
Da kam der älteste Sohn in die Stube, als sie sich gerade aufs neue durch diese Worte schleppte.
»Mutter,« sagte er sehr leise.
Sie hörte ihn, schlug aber die Augen nicht vom Buche auf, als sie fragte: »Bist du nicht mit im Walde?«
»Doch,« sagte er noch leiser. »Ich bin dort gewesen.«
»Komm hierher zum Tisch,« sagte sie, »so daß ich dich sehen kann.«
Er kam näher, aber als ihr Blick auf ihn fiel sah sie, daß er zitterte. Er mußte sich auf die Tischkante stützen, um die Hände still halten zu können.
»Habt Ihr den Bären erlegt?« fragte sie wieder.