»Ich sehe das Ganze, ich sehe das Ganze«, sagt die Majorin. »Ein gutes Kind und nichts weiter, weint mit den Betrübten und lacht mit den Fröhlichen. Und muß ‘ja’ zu dem ersten sagen, der kommt und sagt: ‘Ich liebe dich!’ – Ja, ja, so ist es! – Gehen Sie nur hinein und tanzen Sie, meine liebe junge Gräfin. Tanzen Sie und seien Sie fröhlich. In Ihnen ist nichts Böses.«

»Aber ich möchte so gern etwas für die Frau Majorin tun!«

»Kind,« sagt die Majorin feierlich, »es wohnte eine alte Frau auf Ekeby, die hielt die Winde des Himmels gefangen. Jetzt ist sie selbst eine Gefangene, und die Winde sind frei. Ist es da so wunderlich, daß ein Sturm über das Land dahinsaust?

»Ich, die ich alt bin, habe ihn schon früher gesehen, Gräfin. Ich kenne ihn. Ich weiß, daß Gottes gewaltiger

Sturm über uns kommt. Bald braust er über die großen Reiche dahin, bald über die kleinen, vergessenen Staaten. Gottes Sturm vergißt keinen. Er kommt über die Großen wie über die Kleinen. Es ist großartig, Gottes Sturm kommen zu sehen.

»Gottes Sturm, du gesegnetes Wetter des Herrn, wehe über die Erde dahin! Ihr Stimmen aus der Luft und aus dem Wasser, ertönt, entsetzet! Macht Gottes Sturm gewaltig, macht Gottes Sturm schreckeinflößend! Laßt die Stürme über das Land dahinsausen, gegen die schwankenden Wände fahren, die verrosteten Schlösser zersprengen, die morschen Häuser umstürzen!

»Schrecken soll sich über das ganze Land ausbreiten. Die kleinen Vogelnester sollen aus den Zweigen herausgeschüttelt werden. Das Habichtsnest im Wipfel der Tanne soll mit lautem Krachen zur Erde fallen, und bis hinein in das Eulennest in der Bergkluft soll der Wind mit seiner Drachenzunge zischen.

»Wir meinten, alles bei uns sei so gut, aber das war es nicht. Wir haben Gottes Sturmwetter sehr nötig. Ich verstehe es, und ich klage nicht. Ich wünsche nur nach Hause zu kommen, zu meiner Mutter!«

Sie bricht plötzlich zusammen.

»Geh jetzt, junge Frau«, sagt sie. »Ich habe keine Zeit mehr. Ich muß gehen. Geh jetzt, hüte dich aber vor denen, die auf den Schwingen des Sturmes kommen!«