Und dann kommt der Schluß des Festes. Eine lange Reihe von Schlitten fährt im Hofe auf. Die Herren ziehen ihre Pelze an, die Damen suchen in dem verzweifelnden Wirrwarr des Ankleidezimmers nach ihren wärmenden Hüllen.

Die junge Gräfin hat sich beeilt, von diesem abscheulichen Ball fortzukommen. Sie ist von allen Damen zuerst fertig. Lächelnd steht sie mitten im Zimmer und sieht sich die allgemeine Verwirrung an, als die Tür aufgerissen wird und Gösta Berling auf der Schwelle erscheint.

Kein Mann hat sonst das Recht, in dies Zimmer einzudringen. Alte Damen flehen da mit ihrem dünnen Haar, jetzt wo sie die feinen Hauben abgenommen haben, und die jungen haben ihre Kleider unter den Pelzen hoch in die Höhe gezogen, damit die steifen Garnierungen bei der Fahrt nicht zerknittert werden sollen.

Ohne sich aber an die warnenden Rufe zu kehren, springt Gösta Berling auf die Gräfin zu und ergreift sie. Er hebt sie auf seine Arme und stürzt mit ihr zum Zimmer hinaus, auf die Diele und von da auf die Treppe.

Die Schreie der überraschten Frauen hemmen ihn nicht. Als sie hinter ihm drein eilen, sehen sie nur, daß er sich, die Gräfin noch immer im Arm haltend, in einen Schlitten wirft. Sie hören den Kutscher mit der Peitsche knallen und sehen das Pferd von dannen jagen. Sie kennen den Kutscher – es ist Beerencreutz. Sie kennen das Pferd – es ist Don Juan. Und in tiefer Besorgnis um das Schicksal der Gräfin rufen sie die Herren.

Und diese verbringen keine Zeit mit vielen Fragen, sondern stürzen zu den Schlitten. Den Grafen an der Spitze, machen sie Jagd auf den Frauenräuber.

Er aber liegt im Schlitten und hält die junge Gräfin fest. Aller Kummer ist vergessen, hingerissen von der berauschenden Freude des Abenteuers singt er aus vollem Halse ein Lied von Liebe und von Rosen. Er hält sie fest an sich gepreßt, sie aber macht keinen Versuch, ihm zu entfliehen. Ihr Antlitz ruht weiß und versteinert an seiner Brust.

Ach, was soll ein Mann tun, wenn er ein bleiches, hilfloses Gesicht so unmittelbar in seiner Nähe hat, wenn er das blonde Haar, das sonst die schimmernd weiße Stirn beschattet, zurückgestrichen sieht, wenn die Lider sich schwer über den grauen, schelmischen Augen geschlossen haben?

Küssen, natürlich, die bleichen Lippen, die geschlossenen Augen, die weiße Stirn küssen!

Da aber erwacht die junge Frau. Sie wirft sich auf die Seite, sie ist elastisch wie eine Feder. Und er muß mit seiner ganzen Kraft gegen sie kämpfen, damit sie sich nicht aus dem Schlitten stürzt, ehe es ihm gelingt, sie ergeben aber zitternd in die eine Ecke des Schlittens zu zwingen.