die herausgestürzt kommt, kehrt ihr Mut und ihre Geistesgegenwart zurück.

»Sorgen Sie für das Pferd, Andersson,« sagt sie, »die Herren, die mich nach Hause gefahren haben, sind sicher so freundlich, ein wenig näher zu treten. Der Graf muß gleich hier sein.«

»Wie die Frau Gräfin befehlen«, sagt Gösta und steigt sofort aus dem Schlitten. Beerencreutz wirft, ohne sich zu besinnen, dem Kutscher die Zügel zu. Die junge Gräfin aber geht voraus und führt sie mit schlecht verhehlter Schadenfreude in den Saal.

Die Gräfin hatte sicher gedacht, daß die Kavaliere sich besinnen würden, auf ihren Vorschlag einzugehen und ihren Mann zu erwarten. Sie wußten also nicht, welch ein strenger, gerechter Mann er war. Sie fürchteten sich nicht vor der Strafe, die er denen zuerteilen würde, die sie mit Gewalt ergriffen und gezwungen hatten, mit ihnen zu fahren. Sie wollte es mit anhören, wie er ihnen untersagte, jemals wieder den Fuß über ihre Schwelle zu setzen. Sie wollte es erleben, wie er die Dienerschaft hereinrief und vor ihnen die Kavaliere als Persönlichkeiten hinstellte, die sie in Zukunft niemals in die Tore von Borg einlassen dürften. Sie wollte hören, wie er seine Verachtung aussprach, nicht nur über das, was sie ihr angetan, sondern auch über ihr Benehmen gegen die alte Majorin, ihre Wohltäterin.

Ja, er, der ihr gegenüber lauter Zärtlichkeit und Rücksicht war, er würde sich in gerechtem Zorn gegen ihre Verfolger erheben. Die Liebe würde seinen Worten Feuer verleihen. Er, der sie beschützte und bewachte wie ein Wesen feinerer Art als jede andere, er würde es nicht

dulden, daß rohe Männer über sie herfielen und sie ergriffen, wie der Raubvogel über den Sperling herfällt. Die ganze kleine Frau erglühte vor Rachedurst vom Scheitel bis zur Sohle. Ihr Mann sollte ihr in ihrer Ohnmacht helfen und die dunklen Schatten vertreiben.

Beerencreutz, der Oberst mit dem dicken weißen Schnurrbart, ging ganz unerschrocken in den Speisesaal, trat an den Kamin, in dem stets, wenn die Gräfin aus einer Gesellschaft kam, ein helles Feuer brannte.

Gösta verharrte im Dunkeln an der Tür und betrachtete schweigend die Gräfin, die der Diener ihres Pelzes entledigte. Wie er so dasaß und die junge Frau ansah, ward er so heiter, wie er es seit Jahren nicht gewesen war. Es ward ihm so klar, er war so überzeugt davon, als sei es eine Offenbarung, daß in ihrem Innern die schönste Seele wohnen müsse.

Lange hatte sie in tiefem Schlaf befangen gelegen, aber sie würde schon ans Tageslicht kommen. Er war so froh, daß er all die Reinheit und Frömmigkeit und Unschuld entdeckt hatte, die in ihrem innersten Herzen wohnten. Er war nahe daran, über sie zu lachen, weil sie so erzürnt aussah und mit flammenden Wangen und gerunzelter Stirn dastand.

»Du weißt es ja selber nicht, wie gut und milde du bist«, dachte er.