Die Seite ihres Wesens, die der Außenwelt zugewendet war, würde ihrem inneren Ich niemals volle Gerechtigkeit widerfahren lassen, dachte er. Von diesem Augenblick an mußte aber Gösta Berling ihr Diener sein, wie man allem Schönen und Göttlichen dienen muß.
Ja, es war ihm nicht möglich zu bereuen, daß er vorhin so gewaltsam gegen sie vorgegangen war. Wenn sie nicht so bange gewesen wäre, wenn sie ihn nicht so heftig von sich gestoßen hätte, wenn er nicht gefühlt hätte, wie sich ihr ganzes Wesen über seine Roheit empörte, so hätte er niemals erfahren, welch ein feiner, welch ein edler Geist in ihr wohnte.
Er hatte bisher keinen Grund gehabt, es zu glauben. Sie war ja lauter Tanzlust und Frohsinn. Und dann hatte sie ja das Unglaubliche tun und sich mit dem dummen Grafen Henrik verheiraten können.
Ja, nun würde er bis an den Tod ihr Sklave sein: Hund und Sklave, wie Hauptmann Christian zu sagen pflegte, und nichts anderes.
Dort an der Tür saß Gösta Berling mit gefalteten Händen und hielt eine Art Gottesdienst ab. Seit jenem Tage, als er zum erstenmal die Feuerzunge der Inspiration über sich hatte flammen fühlen, hatte er keine solche Erhebung in seiner Seele gefühlt. Er ließ sich nicht stören, obwohl Graf Dohna mit einer Menge Menschen hereinkam, die über alle die dummen Streiche der Kavaliere donnerten und fluchten.
Er ließ Beerencreutz den ersten Anprall hinnehmen. Er selber hatte an anderes zu denken. Ganz ruhig stand der Ritter der vielen Abenteuer am Kamin, setzte den einen Fuß auf das Kamingitter, stützte den Ellbogen gegen das Knie und das Kinn in die Hand und sah die Hereinstürmenden an.
»Was hat dies alles zu bedeuten?« brüllte der kleine Graf ihn an.
»Das bedeutet,« erwiderte er, »daß, solange es Frauenzimmer
gibt, es auch nicht an Toren fehlen wird, die nach ihrer Pfeife tanzen.«
Der kleine Graf wurde dunkelrot. »Ich frage, was das zu bedeuten hat?« wiederholte er.