»Man sagt mir nach, daß ich ein gerechter Mann bin«, entgegnete er. »Ich kann Gericht über meine Dienerschaft
halten. Weshalb sollte ich nicht auch Gericht über meine Gemahlin halten? Die Kavaliere haben kein Recht, sie zu richten. Die Strafe, die sie ihr auferlegt haben, hebe ich auf. Die hat für mich gar nicht stattgefunden. Verstehen Sie, meine Herren, die hat gar nicht stattgefunden.«
Der Graf schrie die Worte in seinem höchsten Falsett.
Beerencreutz warf einen schnellen Blick auf die Gesellschaft. Da war nicht einer der Anwesenden – Sintram und Daniel Bendix und Dahlberg und wer sonst noch mit hereingekommen war –, der nicht in den Bart gelacht hätte, weil er sich so über den dummen Grafen Henrik lustig machte.
Die junge Gräfin verstand es nicht sofort. Was war es eigentlich, das für null und nichtig erklärt wurde? Ihre Angst, die harte Behandlung ihres zarten Körpers von seiten der Kavaliere, der wilde Gesang, die wilden Worte, die wilden Küsse, sollte das alles gar nicht stattgefunden haben?
»Aber Henrik ...«
»Schweig!« herrschte er sie an. Und nun richtete er sich auf, um ihr eine Strafpredigt zu halten. »Wehe dir, daß du, die du eine Frau bist, dich hast zum Richter über Männer aufwerfen wollen«, sagte er. »Wehe dir, daß du, die du meine Frau bist, es wagst, jemand zu beleidigen, dessen Hand ich drücke. Was geht es dich an, daß die Kavaliere die Majorin ins Gefängnis geworfen haben? Hatten sie nicht das Recht dazu? Du wirst es niemals verstehen können, wie ein Mann sich im Innersten seiner Seele verletzt fühlt, wenn er von der Treulosigkeit der Frauen hört. Gedenkst du selber, den
schlüpfrigen Weg zu wandeln, da du eine solche Frau in Schutz nimmst?«
»Aber Henrik ...«
Sie jammerte wie ein Kind und streckte die Arme aus, als wolle sie die bösen Worte abwenden. Sie hatte wohl noch niemals so harte Worte an sich richten hören. Sie war so hilflos zwischen diesen harten Männern, und nun wandte ihr einziger Verteidiger sich gegen sie. Nie mehr würde ihr Herz Kraft haben, die Welt hell zu machen.