hören. Wir hören sie, noch ehe wir auf dem nächsten Hügel sind.«

Und während die alte Disa sich einen Augenblick auf dem Gipfel des Elofshügels verschnaufte, erschallte von unten her Schlittengeläute.

Jetzt geriet die alte Ulrika ganz außer sich. Sie bebte, schluchzte und jammerte, genau so wie vorhin in dem Saal zu Fors. Anna wollte Disa zur Eile antreiben, die aber wandte den Kopf ab und sandte ihr einen höchst verwunderten Blick zu. Glaubte sie, daß Disa nicht wisse, wann es Zeit war zu laufen und wann zu gehen? Wollte sie sie lehren, einen Schlitten zu ziehen, sie, die doch seit mehr als zwanzig Jahren jeden Stein, jede Brücke, jeden Zaun, jeden Hügel in meilenweitem Umkreis gekannt hatte!

Inzwischen kam das Schlittengeläute näher und näher.

»Das ist er, das ist er, ich kenne seine Glocken!« jammert die alte Ulrika.

Der Laut kommt immer näher. Zuweilen ist er so unnatürlich stark, daß Anna sich umwendet, um zu sehen, ob Sintrams Pferd mit seinem Kopf schon ihren Schlitten berührt, bald stirbt er völlig hin. Sie hören ihn bald rechts, bald links vom Wege, sehen aber niemand. Es ist, als verfolge sie nur das Geläute der Schlittenglocken.

Wie des Nachts, wenn man aus einer Gesellschaft heimkehrt, so ist es nun: die Glocken klingen in Melodien, singen, sprechen, antworten. Der Wald hallt wider von ihrem Getön. Anna sehnt sich fast danach, daß der Verfolger allmählich so nahe kommen soll, daß sie ihn selber und sein rotes Pferd sehen kann. Ihr wird ganz unheimlich zumute bei diesem unablässigen Schlittengeläute.

Sie ist nicht ängstlich, ist es niemals gewesen, aber diese Glocken peinigen und plagen sie.

»Die Glocken peinigen mich«, sagt sie. Und sofort fangen die Glocken das Wort auf. »Peinigen mich,« klingeln sie, »peinigen mich, peinigen, peinigen, peinigen mich«, singen sie in allen möglichen Tonarten.

Es war nicht lange her, seit sie, von Wölfen verfolgt, diesen selben Weg gefahren war. Sie hatte in der Finsternis die weißen Zähne in dem offnen Rachen schimmern sehen, sie hatte gedacht, daß sie von den wilden Tieren des Waldes zerrissen werden würde. Damals aber war sie nicht bange gewesen. Eine herrlichere Nacht hatte sie niemals erlebt. Schön und kräftig war das Pferd gewesen, das sie zog, schön und kräftig war der Mann, der die Freude des Abenteuers mit ihr teilte.