Ach, dies alte Pferd, diese alte, zitternde Reisegenossin! Sie fühlt sich so machtlos, daß sie gern weinen möchte. Sie kann dies entsetzliche, aufregende Glockengeläute nicht los werden.
Sie hält still und steigt aus dem Schlitten. Dies muß ein Ende haben. Weshalb soll sie fliehen, als fürchte sie sich vor dem bösen, verächtlichen Schurken?
Endlich sieht sie aus der zunehmenden Dämmerung einen Pferdekopf sichtbar werden, und dem Kopf folgt ein ganzes Pferd, ein Schlitten, und in dem Schlitten sitzt Sintram selber. Sie bemerkt indessen, daß es nicht so aussieht, als seien sie von der Landstraße hergekommen, dies Pferd, dieser Schlitten und dieser Mann, sondern vielmehr, als seien sie plötzlich vor ihren Augen entstanden und allmählich, sowie sie fertig geworden, aus der Dunkelheit herausgetreten.
Anna wirft Ulrika die Zügel zu und geht Sintram entgegen. Er hält das Pferd an.
»Sieh, sieh,« sagt er, »welch ein glücklicher Zufall! Liebes Fräulein Stjärnhök, lassen Sie mich meinen Reisegefährten in Ihren Schlitten setzen. Er will noch heute Abend nach Berga, und ich habe Eile, nach Hause zu kommen.«
»Wo ist der Reisegefährte?«
Sintram knöpft den Fußsack auf und zeigt Anna einen Mann, der schlafend am Boden des Schlittens liegt. »Er ist ein wenig betrunken,« sagt er, »aber was macht das? Er schläft wohl. Es ist übrigens ein guter Bekannter, Fräulein Stjärnhök – es ist Gösta Berling.«
Anna schaudert.
»Denn ich will Ihnen nur sagen, daß derjenige, der seinen Geliebten verläßt, ihn dem Teufel verkauft. So bin ich in seine Klauen geraten. Man glaubt natürlich, daß man sich so richtig benimmt; entsagen, das ist das Gute, lieben, das ist vom Bösen!«
»Was meinen Sie damit? Wovon reden Sie?« fragt Anna tief erschüttert.