Sie begehrt Zeichen und Wunder. Sie späht am Himmel und auf der Erde. Aber sie sieht keinen Finger aus den Wolken hervorgestreckt, um ihr den Weg zu weisen. Keine Wolkensäule, keine Feuersäule geht vor ihr her.

Wie sie jetzt der Gräfin gerade gegenüber in dem kleinen Kabinett sitzt, fällt ihr Blick auf einen kleinen Strauß blauer Anemonen, den die Gräfin in der Hand hält.

Wie ein Blitz durchzuckt es sie, daß sie weiß, wo die Anemonen gewachsen sind, und sie weiß, wer sie gepflückt hat.

Sie braucht nicht zu fragen. Wo in der ganzen Gegend wachsen schon Anfang April Anemonen, außer im Birkenhain am Strandhügel bei Ekeby?

Sie sitzt da und starrt die kleinen blauen Sterne an, diese glücklichen, die alle Menschen lieben, diese kleinen Propheten, die an sich schön, auch noch umstrahlt werden von dem Glanz all des Schönen, das sie verheißen, all des Schönen, das da kommen soll. Und während sie dasitzt und sie anschaut, zieht sich in ihrer Seele ein Zorn zusammen, dumpf wie der Donner, lähmend wie der Blitz.

»Mit welchem Recht«, denkt sie, »trägt Gräfin Dohna diesen Strauß blauer Anemonen, der am Strandhügel von Ekeby gepflückt ist?«

Sie waren Versucher alle miteinander, Sintram, die Gräfin, alle diese Menschen, die Gösta Berling zu dem verlocken wollten, was böse war, sie aber wollte ihn verteidigen, ihn gegen alle verteidigen. Wenn es ihr auch ihr Herzblut kosten sollte, sie wollte es tun.

Sie fühlt, daß sie die Blumen aus der Hand der Gräfin gerissen, an die Erde geworfen, zertreten, zermalmt sehen muß, bevor sie das kleine blaue Kabinett verläßt.

Das fühlt sie, und sie beginnt einen Kampf gegen die kleinen blauen Sterne. Draußen im Saal stützen die alten Damen die ehrwürdigen Köpfe gegen die Stuhllehnen und ahnen nichts, die Herren paffen in Ruhe und Gemächlichkeit im Zimmer des Grafen auf ihren Pfeifen – alles atmet Frieden, nur in dem kleinen blauen Kabinett wütet ein verzweifelter Kampf.

Ach, wie klug handeln sie, die ihre Hände vom Schwert fortlassen, sie, die zu schweigen und zu warten wissen, die ihre Herzen beschwichtigen und Gott walten lassen können! Immer geht das unruhige Herz irre. Immer macht das Böse das Böse nur noch ärger.