Aber Anna Stjärnhök glaubt, daß sie jetzt endlich einen Finger in den Wolken erblickt hat.

»Anna,« sagt die Gräfin, »erzähle mir eine Geschichte.«

»Wovon soll sie handeln?«

»Ach,« sagt die Gräfin, den Strauß mit ihrer weißen Hand liebkosend, »weißt du nicht etwas von Liebe zu erzählen?«

»Nein, ich weiß nichts von Liebe.«

»Wie du redest! Gibt es nicht einen Ort, der Ekeby heißt, und wimmelt es da nicht von Kavalieren?«

»Ja,« sagt Anna, »es gibt einen Ort, der Ekeby heißt, und dort wohnen Männer, die das Mark des Landes aussaugen, die uns untüchtig machen zu ernster Arbeit, die die heranwachsende Jugend verführen und unsere besten Köpfe auf Abwege leiten. Willst du von denen hören? Willst du Liebesgeschichten von denen hören?«

»Ja, das will ich! Ich kann die Kavaliere wohl leiden!«

Da redet Anna Stjärnhök, redet in kurzen Strophen wie ein altes Psalmbuch, denn sie ist nahe daran, von stürmischen Gefühlen erstickt zu werden. Heimliche Leidenschaft zittert unter jedem Wort und die Gräfin muß ihr ängstlich und gespannt zugleich lauschen:

»Was ist die Liebe eines Kavaliers, was ist die Treue eines Kavaliers? Eine Geliebte heute, eine morgen, eine im Osten, eine im Westen. Nichts ist ihm zu hoch, nichts ist ihm zu gering: den einen Tag eine Gräfin, den andern Tag eine Betteldirne. Nichts in der Welt ist so geräumig wie sein Herz. Aber wehe der Armen, die einen Kavalier liebt! Sie muß nach ihm suchen, wenn er bezecht am Grabenrande liegt. Sie muß schweigend zusehen, wie er das Heim ihrer Kinder verspielt. Sie muß