es dulden, daß er andere Frauen umschwärmt. Ach, Elisabeth, bittet ein Kavalier eine ehrbare Frau um einen Tanz, so sollte sie es ihm abschlagen, gibt er ihr einen Strauß Blumen, so sollte sie ihn zu Boden werfen und mit Füßen treten, liebt sie ihn, so sollte sie lieber sterben als ihn heiraten. – Unter den Kavalieren war einer, der ein abgesetzter Pfarrer war. Er hatte sein Amt verloren, weil er trank. Betrunken war er in die Kirche gekommen. Er trank den Altarwein aus. Hast du von ihm gehört?«

»Nein.«

»Gleich nachdem er seines Amtes entsetzt war, streifte er als Bettler im Lande umher. Er trank wie ein Verrückter. Er konnte stehlen, um sich Branntwein zu schaffen.«

»Wie heißt er?«

»Er weilt nicht mehr auf Ekeby. – Die Majorin nahm sich seiner an, schenkte ihm Kleider und überredete deine Schwiegermutter, ihn als Hauslehrer für deinen Mann, den jungen Grafen Henrik, zu nehmen.«

»Einen abgesetzten Pfarrer?«

»Ach, er war ein junger, kräftiger Mann und besaß gute Kenntnisse. Es war nichts an ihm auszusetzen, wenn er nur nicht trank. Gräfin Märta nahm so etwas nicht so genau. Es amüsierte sie, dem Probst und dem Kaplan einen Streich zu spielen. Doch befahl sie, daß niemand mit ihren Kindern von seiner Vergangenheit sprechen solle, denn da würde ihr Sohn den Respekt verlieren, und ihre Tochter würde ihn nicht geduldet haben; denn sie war eine Heilige.

»So kam er denn hierher nach Borg. Er blieb an der Tür stehen, er setzte sich auf die Ecke des Stuhls, er

schwieg bei Tische und flüchtete in den Park hinab, wenn Gäste kamen.

»Doch da unten, auf den einsamen Wegen begegnete er oft der jungen Gräfin Ebba Dohna. Sie gehörte nicht zu denen, die die lärmenden Feste lieben, die durch die Säle des Schlosses brausten, seit die Gräfin verwitwet war. Sie gehörte nicht zu denen, die trotzige Blicke in die Welt hinaussenden. Sie war so sanft und so scheu. Selbst nachdem sie ihr siebzehntes Jahr zurückgelegt hatte, war sie so scheu wie ein Kind, aber schön war sie mit ihren braunen Augen und der zarten Röte auf den Wangen. Ihr schlanker Körper war ein wenig gebeugt. Ihre schmale Hand schob sich mit einem schwachen Druck in die unsere. Ihr kleiner Mund war der schweigsamste und dabei der ernsthafteste von allen Mündern. Und dann ihre Stimme, ihre zarte, weiche Stimme, die die Worte so schön und so langsam aussprach, nie aber jugendfrisch, jugendwarm klang, sondern zögernd mit einem matten Tonfall, wie der Schlußakkord eines müden Künstlers.