»Ich habe beschlossen, dein Glück zu machen, sagt die Gräfin. Ich bin überzeugt, daß du mit diesem Manne glücklich wirst. Es ist dir ja schon gelungen, ihn zum Heiligen zu machen.
»Ich habe beschlossen, den Standesunterschied zu übersehen und zu vergessen, daß er arm und verachtet ist, um dir die Möglichkeit zu geben, ihn zu retten. Ich fühle,
daß ich tue, was recht ist. Du weißt, daß ich alle alten Vorurteile verachte.
»Das alles aber sagt sie nur, weil sie es nicht leiden kann, daß sich jemand ihrem Willen widersetzt. Vielleicht meinte sie es auch so, als sie es sagte. Aus Gräfin Märta ist nicht leicht klug zu werden.
»Das junge Mädchen blieb lange auf ihrem Sofa liegen, nachdem die Gräfin sie verlassen hatte. Sie kämpfte ihren Kampf. Die Erde rang mit dem Himmel, Liebe lehnte sich gegen Liebe auf, doch der Geliebte ihrer Kinderjahre trug den Sieg davon. Dort, wo sie lag – es war hier auf dem Sofa –, sah sie den westlichen Himmel im Sonnenuntergang erglühen. Sie glaubte, daß es ein Gruß von dem guten König sei, und da sie keine Kraft besaß, ihm treu zu bleiben, falls sie leben würde, so beschloß sie zu sterben. Sie konnte nicht anders, da ihre Mutter verlangte, daß sie einem Manne angehören sollte, der kein Diener des guten Königs werden konnte.
»Sie trat an das Fenster, öffnete es und ließ die feuchte, kalte Abendluft ihren armen, schwachen Körper durcheisen.
»Es war ihr ein leichtes, sich den Tod zuzuziehen. Er war unvermeidlich, falls die Krankheit sich von neuem einstellte, und das tat sie.
»Niemand außer mir weiß, daß sie den Tod suchte, Elisabeth. Ich fand sie am Fenster. Ich hörte ihre Fieberphantasien. Sie wünschte mich in den letzten Tagen an ihrer Seite zu behalten.
»Ich sah sie sterben, ich sah sie in jener Abendstunde die Hände nach dem glühenden Abendhimmel ausstrecken und mit einem Lächeln scheiden, als habe sie jemand aus
dem Glanz des Sonnenuntergangs heraustreten und ihr entgegenkommen sehen. Ich mußte ihm, den sie geliebt hatte, ihren letzten Gruß überbringen. Ich sollte ihn bitten, ihr zu verzeihen, daß sie nicht seine Gattin werden könne. Der gute König habe es nicht erlauben wollen.