Womit aber soll ich diesen natürlichen Weg über das schmelzende Eis vergleichen? Ist das nicht derselbe Weg, den auch die kleinen Blumenmädchen zu gehen haben, ein unsicherer, schwankender, schlüpfriger Weg, der Weg derer, die die geschlagene Wunde heilen wollen, der Weg derer, die wieder gutmachen wollen, des leichten Fußes, des schnellen Auges, des mutigen, liebevollen Herzens Weg?
Es war über Mitternacht, als die Gräfin das Ufer bei Ekeby erreichte. Sie war auf dem Eise gefallen, sie war über breite Risse gesprungen, sie war leicht hinweggehuscht
über Stellen, wo das hervorquellende Wasser die Fußspuren füllte, sie war geglitten, sie war gekrochen. Es war eine schwere Wanderung gewesen, und sie hatte geweint, während sie ging. Sie war naß und müde geworden, und da draußen auf dem Eise hatten die Dunkelheit, die Einsamkeit und die Leere ihre Gedanken beschwert. Jetzt, kurz vor Ekeby, hatte sie in fußhohem Wasser waten müssen, um das Land zu erreichen. Und als sie auf das Ufer hinaufgekommen war, hatte sie keinen Mut zu etwas anderem gehabt, als sich auf einen Stein zu setzen und vor Müdigkeit und Hilflosigkeit zu weinen.
Schwere Wege wandern die Menschenkinder, und die kleinen Blumenmädchen sinken oft neben ihrem Korbe nieder, gerade im selben Augenblick, wo sie denjenigen erreicht haben, dessen Weg sie mit Blumen bestreuen wollten.
Diese junge, vornehme Dame war doch eine liebenswerte kleine Heldin. Solche Wege war sie in ihrem sonnigen Heimatlande nicht gewandert. Da ist es denn kein Wunder, daß sie am Ufer dieses unheimlichen, entsetzlichen Sees sitzt, naß, müde und unglücklich, wie sie ist, und an die sanften, blumenverbrämten Pfade ihres südlichen Geburtslandes denkt.
Ach, für sie handelt es sich nicht mehr darum, ob Süd, ob Nord. Sie steht mitten im Leben. Sie weint nicht vor Heimweh. Sie weint, das kleine Blumenmädchen, die kleine Heldin, weil sie so müde ist, daß sie den nicht mehr erreichen kann, dessen Weg sie mit Blumen bestreuen will – sie weint, weil sie glaubt, daß sie zu spät gekommen ist.
Da kommen einige Menschen den Strand entlang gelaufen. Sie eilen an ihr vorüber, ohne sie zu sehen, aber sie hört ihre Worte: »Stürzt der Damm, so ist die Schmiede verloren!« sagt der eine. »Und die Mühle und die Werkstätten und die Häuser der Schmiede«, fügt ein anderer hinzu.
Da faßt sie neuen Mut, erhebt sich und folgt ihnen.
Die Mühle und die Schmiede von Ekeby lagen auf einer schmalen Landzunge, die der Björkseebach umbraust. Er stürzte sausend auf die Landzunge herab, weißschäumend von dem gewaltigen Fall, und um die bebaute Strecke gegen das Wasser zu schützen, war ein großer Wellenbrecher vor der Landzunge angebracht. Aber der Damm war jetzt alt, und die Kavaliere regierten. Die ließen den Tanz über Stock und Stein gehen; niemand aber ließ sich Zeit, nachzusehen, wie der Strom und die Kälte und der Zahn der Zeit an dem alten Steindamm gearbeitet hatten.