Und dann kommt der Frühling, und der Damm fängt an nachzugeben.
Der Wasserfall bei Ekeby ist eine gewaltige Granittreppe, über die die Wogen des Björkseebaches herabgebraust kommen. Sie werden schwindlig von dem eiligen Lauf, überschlagen sich, prallen gegeneinander. Sie fahren in Zorn auf, bespritzen sich gegenseitig mit Schaum, straucheln über einen Stein, über einen Baumstamm, raffen sich dann wieder auf, um wieder und wieder unter Schäumen und Prusten und Brüllen zu straucheln.
Und diese wilden, erregten Wogen, berauscht von der Frühlingsluft, schwindlig von der wiedergewonnenen Freiheit,
laufen nun Sturm gegen die alte Steinmauer. Sie kommen keuchend und stöhnend, stürmen hoch auf die Mauer hinauf und ziehen sich wieder zurück, als hätten sie ihre weißgelockten Köpfe gestoßen. Es ist ein Sturm, wie er nicht heftiger sein kann; die großen Eisschollen dienen ihnen als Schilde, die Baumstämme als Mauerbrecher, sie stürzen, brechen, brausen gegen diese arme Mauer, bis es plötzlich aussieht, als habe ihnen jemand ein »Gebt acht!« zugerufen. Da stürzen sie zurück, und hinter ihnen drein kommt ein großer Stein, der sich von dem Damm losgelöst hat und polternd im Strom versinkt.
Es hat fast den Schein, als habe dies sie erschreckt; sie stehen still, sie jubeln, sie ratschlagen – und dann: vorwärts mit frischem Mut! Da sind sie wieder mit Eisschollen und Baumstämmen, voll von lustigen Streichen, unbarmherzig, wild, toll vor Zerstörungslust.
Wäre nur der Damm fort – sagen die Wellen – wäre nur der Damm fort, da sollte gar bald die Reihe an die Schmiede und an die Mühle kommen!
Der Tag der Freiheit ist da – fort mit Menschen und Menschenwerk! Sie haben uns schwarz und rußig gemacht mit ihren Kohlen, sie haben uns eingestäubt mit ihrem Mehl, sie haben uns das Arbeitsjoch aufgelegt wie den Ochsen, sind im Kreise mit uns herumgefahren, haben uns eingeschlossen, unsern Lauf gehemmt, uns gezwungen, die schweren Räder zu treiben, die klotzigen Baumstämme zu tragen. Aber nun wollen wir uns freimachen!
Der Tag der Freiheit ist da! Hört es, ihr Wogen oben im Björksee, hört es, ihr Brüder und Schwestern in Mooren und Sümpfen, in Bergbächen und Waldbächen! Kommt, kommt! Stürzt euch herab, vereinigt
euch mit uns, kommt mit frischen Kräften, polternd, zischend, bereit, das hundertjährige Joch zu zertrümmern! Kommt! Das Bollwerk der Tyrannei soll fallen. Tod und Verderben über Ekeby!
Und sie kommen. Woge auf Woge stürzt sich in den Fall hinab, um den Kopf gegen den Damm zu stoßen, um das große Werk fördern zu helfen. Berauscht von der neuerrungenen Lenzfreiheit, mannesstark, einig, kommen sie und lösen Stein auf Stein, Erdschicht auf Erdschicht von dem schwankenden Wellenbrecher.