Weshalb aber lassen denn die Menschen die wilden Wellen tosen, ohne Widerstand zu leisten? Ist Ekeby ausgestorben?

Nein, die Menschen sind da, eine verwirrte, ratlose, hilflose Menschenschar. Die Nacht ist dunkel, sie können einander nicht sehen, können nicht sehen, wohin sie treten. Der Wasserfall braust stark, es ist ein entsetzliches Getöse von zertrümmerndem Eis und zusammenprallenden Baumstämmen; sie können ihr eigen Wort nicht verstehen. Die Wildheit, die die brausenden Wellen ergriffen hat, füllt auch die Gehirne der Menschen, sie haben keinen Gedanken in ihren Köpfen, sie sind ganz ohne Besinnung.

Die Fabrikglocken ertönen, wer Ohren hat zu hören, der höre! Wir hier unten an der Ekebyer Schmiede sind nahe daran zu vergehen. Der Bach stürzt über uns hinweg. Der Damm schwankt, die Schmiede ist in Gefahr, die Mühle ist in Gefahr und unsere eigenen armseligen Wohnungen, die wir trotz all ihrer Geringheit lieben.

Die Wogen glauben wohl, daß die Glocken ihre Genossen herbeirufen sollen, denn es zeigt sich kein Mensch. Aber draußen in den Wäldern und Mooren entsteht ein

geschäftiges Treiben. »Zu Hilfe! Zu Hilfe!« rufen die Glocken. »Nach hundertjähriger Sklaverei haben wir uns endlich befreit. Kommt! Kommt!« Die brausenden Wogen und die läutenden Fabrikglocken singen Ekebys Ehre und Glanz den Totengesang.

Und indessen wird ein Bote nach dem andern zu den Kavalieren aufs Schloß geschickt.

Sind die in der Stimmung, an Schmiede und Mühle zu denken? Hunderte von Gästen sind in den großen Sälen von Ekeby versammelt. Die Besenverkäuferin wartet draußen in der Küche. Der spannende Augenblick der Überraschung ist gekommen. Der Champagner perlt in den Gläsern; Julius erhebt sich, um die Festrede zu halten. Alle die alten Abenteurer auf Ekeby freuen sich auf das stumme Staunen, das sich der Versammlung bemächtigen wird.

Draußen auf dem Eis des Löfsees wandert die junge Gräfin Dohna einen unheimlichen, lebensgefährlichen Weg, um Gösta Berling ein warnendes Wort ins Ohr zu flüstern. Unten am Gießbach laufen die Wogen Sturm gegen Ekebys Macht und Ehre, aber in den großen Sälen herrscht nur Freude und gespannte Erwartung; die Wachskerzen strahlen, und der Wein strömt, da drinnen denkt niemand an das, was da draußen in der dunklen, stürmischen Frühlingsnacht vor sich geht.

Gerade jetzt ist der Augenblick gekommen. Gösta erhebt sich und geht hinaus, um seine Braut zu holen. Er muß durch den Vorsaal gehen, die großen Türen sind weit geöffnet – er bleibt stehen, er schaut hinaus in die stockfinstere Nacht – und er hört, er hört.

Er hört die Glocken läuten, er hört den Gießbach