brausen. Er hört das Gepolter des krachenden Eises, den Lärm der zusammenprallenden Baumstämme, die brausende, höhnende, siegreiche Freiheitshymne der aufrührerischen Wogen.

Da vergißt er alles und stürzt in die Nacht hinaus. Seinetwegen können die da drinnen mit erhobenen Gläsern stehenbleiben und bis an den Jüngsten Tag warten; er macht sich nichts mehr aus ihnen. Seine Braut kann warten. Patron Julius’ Rede mag ihm auf den Lippen ersterben. Heut nacht werden keine Ringe gewechselt, kein stummes Staunen wird sich der glänzenden Versammlung bemächtigen.

Jetzt wehe euch, ihr aufrührerischen Wogen, jetzt gilt es in Wahrheit, für die Freiheit zu kämpfen, jetzt ist Gösta Berling an den Gießbach hinabgekommen, jetzt haben die Leute einen Führer bekommen, jetzt steht der Verteidiger auf den Mauern, jetzt beginnt ein fürchterlicher Kampf.

Hört, wie er der Menge zuruft, er befiehlt, er versetzt alle in Tätigkeit.

»Licht müssen wir haben, vor allen Dingen Licht! Hier genügt die Hornlaterne des Müllers nicht. Nehmt die Reisigbündel da, tragt sie auf den Hügel und zündet sie an! Das ist eine Arbeit für Frauen und Kinder. Nur schnell! Macht einen großen Scheiterhaufen aus dürren Zweigen! Das soll uns bei unserer Arbeit leuchten, das soll bis weithin scheinen und Hilfe herbeirufen. Und sorgt dafür, daß das Feuer nicht erlischt, holt Stroh und Holz, und laßt die Flammen hell zum Himmel emporschlagen. – – –

»Seht, ihr Männer, hier ist Arbeit für euch! Hier ist Holz, hier sind Balken, zimmert einen Notdamm, den

wir vor diese schwankende Mauer hinabsenken können. Schnell, schnell an die Arbeit, macht sie sicher und stark! Haltet Steine und Sandsäcke bereit, um das Gerüst hinabzusenken! Schnell! Schwingt eure Äxte, laßt die Hammerschläge erdröhnen, laßt den Bohrer sich tief ins Holz nagen und die Säge in den trocknen Brettern kreischen!

»Und wo sind die Buben? Herbei mit euch, ihr wilden Strolche! Holt Stangen, holt Bootshaken und kommt hierher, mitten ins Kampfgewühl! Auf den Damm hinaus mit euch, Buben, mitten in die Wellen hinein, die schäumen und brausen und uns mit weißem Gischt bespritzen! Wehrt sie ab, schwächt sie, weist sie zurück, diese Angriffe, die die Mauern bersten machen! Schiebt die Baumstämme und die Eisschollen zur Seite, werft euch nieder, wenn nichts weiter helfen will, und haltet die Steine mit euren Händen fest, beißt in sie hinein, umklammert sie mit eisernen Klauen! Kämpfet, ihr Buben, ihr Taugenichtse, ihr Wildfänge! Auf die Mauer hinaus mit euch! Wir müssen um jeden Zoll breit Erde kämpfen!«

Gösta selber stellt sich auf die äußerste Kante des Dammes und steht dort, von Schaum umspritzt, während der Grund unter ihm schwankt. Die Welle brüllt und tobt, sein wildes Herz aber schwelgt in der Gefahr, in der Unruhe, in dem Kampf. Er lacht, er hat muntere Einfälle, die er den Knaben zuruft; nie hat er eine lustigere Nacht erlebt.

Das Rettungswerk schreitet schnell vorwärts, die Flammen schlagen hoch zum Himmel empor, die Äxte der Zimmerleute dröhnen, der Damm steht noch immer.