Opfer zu groß ist, wenn man ein Unrecht wieder gutmachen will. Nicht wahr, Henrik?«
Graf Henrik wandte sich an seine Mutter.
»Was sagst du dazu, Mutter?« fragte er. Sein kleiner Körper war jetzt ganz steif vor Würde, und seine hohe, schmale Stirn hatte er in majestätische Falten gelegt.
»Ich,« erwiderte die Gräfin, »ich sage, daß Anna Stjärnhök ein kluges Mädchen ist und daß sie wohl wußte, was sie tat, als sie Elisabeth diese Geschichte erzählte.«
»Du beliebst mich mißzuverstehen, Mutter,« sagte der Graf. »Ich frage, was du zu dieser Geschichte sagst. Hat Gräfin Märta Dohna versucht, ihre Tochter, meine Schwester, zu einer Ehe mit einem abgesetzten Geistlichen zu überreden?«
Gräfin Märta schwieg einen Augenblick. Ach, wie dumm dieser Henrik doch war! Jetzt war er auf ganz falscher Fährte. Der Jagdhund verfolgte den Jäger selbst und ließ den Hasen laufen. Aber wenn Märta Dohna auch einen Augenblick um die Antwort verlegen gewesen war, so besann sie sich doch schnell.
»Lieber Sohn,« sagte sie mit einem Achselzucken, »wir haben allen Grund, diese alten Geschichten von dem unglücklichen Mann ruhen zu lassen, es ist derselbe Grund, der mich jetzt veranlaßt, dich zu bitten, allen öffentlichen Skandal zu vermeiden. Es ist nämlich höchstwahrscheinlich, daß er in dieser Nacht ums Leben gekommen ist.«
Sie sprach in einem sanften, beklagenden Ton, aber es war kein wahres Wort an ihrer Rede.
»Elisabeth hat heute lange geschlafen und hat deswegen nicht gehört, daß schon Leute rings um den See
herum entsandt sind, um Herrn Berling zu suchen. Er ist nicht nach Ekeby zurückgekehrt, und man fürchtet, daß er ertrunken ist. Das Eis ist heute morgen aufgegangen. Sieh nur, der Sturm hat es in tausend Stücke zersplittert.«