Gräfin Elisabeth schaute hinaus, der See lag beinahe eisfrei da. Da schämte sie sich ihrer selbst. Sie hatte Gottes Gerechtigkeit entgehen wollen. Sie hatte gelogen und geheuchelt. Sie hatte sich in den weißen Mantel der Unschuld gehüllt.
Die Verzweifelte warf sich vor ihrem Gatten auf die Knie, und das Bekenntnis rang sich aus ihrer Brust:
»Richte mich! Verstoße mich! Ich habe ihn geliebt. Ich zerraufe mir das Haar, ich zerreiße meine Kleider vor Kummer. Mir ist alles gleichgültig, jetzt, wo er tot ist. Ich mache mir nichts daraus, mich zu verteidigen. Du sollst die ganze Wahrheit erfahren. Ich habe meinem Manne die Liebe meines Herzens entzogen und sie einem Fremden geschenkt. Ach, ich Unglückliche, ich habe mich zu verbotener Liebe verlocken lassen!«
Du junge Verzweifelte! Liege da zu den Füßen deiner Richter und sage ihnen alles! Willkommen, Martyrium, willkommen, Entehrung, willkommen! Ach, wie kannst du nur den Blitz des Himmels zwingen, auf dein junges Haupt herabzufahren?
Sage deinem Gatten, wie du dich entsetzt hast, als die Leidenschaft dich überwältigt hat, wie du bebtest über die Schlechtigkeit deines Herzens. Lieber wärest du den Gespenstern auf dem Kirchhof begegnet, als den Dämonen in deiner eigenen Brust.
Sage ihnen, wie du, die du von Gottes Angesicht verwiesen warst, dich unwürdig fühltest, auf der Erde zu
wandeln. In Gebet und Tränen hast du gerungen. »Ach, Gott, errette mich! Ach, Sohn Gottes, du, der du die bösen Geister austreibst, errette mich vor dem Verderben!« So hast du gefleht.
Sage ihnen, daß du glaubtest, es sei das beste, alles zu verbergen. Niemand sollte deine Schlechtigkeit kennen lernen. Du glaubtest, daß es Gott wohlgefällig sei, wenn du so handeltest. Du glaubtest auch, daß du auf Gottes Wegen wandeltest, als du den Mann erretten wolltest, den du liebtest. Er ahnte nichts von deiner Liebe. Er sollte deinetwegen nicht ins Verderben geraten. Wußtest du, was recht war? Wußtest du, was unrecht war? Gott allein wußte es, und er hatte dich gerichtet. Er hatte den Abgott deines Herzens getroffen. Er hatte dich auf den großen, erlösenden Weg der Buße geführt.
Sage ihnen, daß du es weißt, daß in der Verheimlichung keine Erlösung liegt. Die Dämonen lieben die Finsternis. Laß sich die Hände deiner Richter nur um die Geißel ballen! Die Strafe wird wie lindernder Balsam auf die Wunden der Sünde fallen. Dein Herz sehnt sich nach dem Leiden.
Sag ihnen dies alles, während du auf den Knien liegst und die Hände in namenlosem Schmerz ringst, mit dem wilden Tonfall der Verzweiflung redest und mit wildem Lachen den Gedanken an Strafe und Entehrung begrüßest, bis dein Mann dich nimmt und dich vom Boden hebt.