Es ist ein kalter Tag, als die Waschfrauen am See stehen und die Wäsche spülen müssen. Regenschauer ziehen
über sie hin und durchnässen sie bis auf die Haut. Ihre Kleider sind schwer wie Blei. Die Arbeit mit dem Waschholz ist hart. Das Blut springt ihr unter den feinen Nägeln heraus.
Aber Gräfin Elisabeth klagt nicht. Gelobt sei Gottes Güte! Gibt es wohl eine andere Erquickung für die bußfertige Seele als das Leiden? Die scharfen Knoten der Geißel fallen weich wie Rosenblätter auf den Rücken der Bußfertigen.
Die junge Frau erfährt bald, daß Gösta Berling lebt. Die Alte hat ihr nur ein Geständnis entlocken wollen. Ja, was dann? Es ist Gottes Wille gewesen! Auf die Weise hat er die Sünderin auf den Weg der Buße gelockt.
Nur eins beängstiget sie. Wie soll es ihrer Schwiegermutter ergehen, deren Herz Gott um ihretwillen so verhärtet hat? Ach, er wird sie milde richten. Sie muß böse sein, um der Sünderin zu helfen, Gottes Liebe wieder zu gewinnen.
Sie weiß nicht, wie oft eine Seele, die alle anderen Genüsse gekostet hat, eine wahre Wollust in der Grausamkeit sucht. Wenn die unduldsame, verfinsterte Seele Schmeicheleien und Liebkosungen und den Rausch des Tanzes und den Reiz des Spiels entbehren muß, da taucht sie in ihre finstere Tiefe hinab und holt die Grausamkeit hervor. Es gibt noch einen Freudenquell für die erschlafften Gefühle, nämlich die Tier- und Menschenquälerei.
Die Alte ist sich keiner Bosheit bewußt. Sie glaubt nur, daß sie eine leichtfertige Gattin züchtigt; und so liegt sie denn des Nachts oft stundenlang wach und grübelt über neue Martern nach. Wehe ihr, welche Tempelschändung
begeht sie! Die Arbeit, diese große Wohltat, verwandelt sie in eine Marter, in eine Strafe!
Eines Abends geht sie durch das Haus und läßt sich von der jungen Gräfin mit einem Licht leuchten. Sie trägt es ohne Leuchter in der Hand.
»Das Licht ist herabgebrannt«, sagt die Junge.