Aber wozu so viele Worte und so viel Verwundern? Da ist ja das Eisen aus Ekeby!

Da ist es, am Ufer des Klarelfs auf Prähme verladen, bereit, den Fluß hinabzusegeln, fertig, in Karlstad auf

der Wage gewogen und auf einer Wenernschute nach Göteborg gefahren zu werden. So ist denn die Ehre von Ekeby gerettet!

Aber wie ist das nur möglich? In Ekeby waren ja nur einige Zentner Eisen, und auf den sechs andern Höfen war nichts zu finden gewesen. Wie ist es möglich, daß schwerbeladene Prähme jetzt eine unerhörte Menge Eisen nach der Wage in Karlstad führen können? Ja, danach muß man die Kavaliere fragen.

Die Kavaliere sind selbst an Bord der schweren, häßlichen Fahrzeuge; sie wollen das Eisen selbst von Ekeby nach Göteborg bringen. Kein gewöhnlicher Fährknecht darf das Eisen begleiten. Mit Flaschen und Proviantkörben, mit Waldhorn und Violinen, mit Flinten und Angelschnüren und Spielkarten sind die Kavaliere an Bord gegangen. Sie wollen alles für ihr liebes Eisen tun und es nicht verlassen, ehe es auf dem Quai in Göteborg ausgeschifft ist. Sie wollen selbst löschen und ausladen, wollen Segel und Ruder hantieren. Sie sind ganz dazu angetan, eine solche Aufgabe zu lösen. Gibt es wohl eine Sandbank im Strom, eine Klippe im Wenersee, die sie nicht kennen? Handhaben sie nicht das Steuer und die Segelleinen genau so gewandt wie Violine und Zügel?

Keiner von den Kavalieren ist daheimgeblieben. Onkel Eberhard hat sein Schreibpult verlassen, und Vetter Kristoffer ist aus der Ofenecke hervorgekrochen. Selbst der sanfte Löwenberg ist mit dabei. Niemand kann sich zurückhalten, wo es die Ehre von Ekeby gilt.

Aber es ist nicht gut für Löwenberg, den Klarelf zu sehen; seit siebenunddreißig Jahren hat er ihn nicht

gesehen, und ebensolange ist es her, seit er zuletzt in einem Boot gewesen ist. Er haßt die blanken Flächen der Seen und die grauen Flüsse. Er muß an gar zu traurige Dinge denken, wenn er auf das Wasser kommt, und deswegen vermeidet er es; heute aber hat er sich nicht zu Hause halten können. Auch er muß mit dabei sein, wo es sich darum handelt, die Ehre von Ekeby zu retten. Vor siebenunddreißig Jahren hatte Löwenberg seine Braut im Klarelf ertrinken sehen, und seit jener Zeit war sein armer Kopf oft verwirrt gewesen.

Aber wie er so dasteht und in den Strom hinabsieht, wird sein armes Gehirn mehr und mehr umnebelt. Der graue Strom, der mit vielen kleinen, glitzernden Wellen dahinfließt, ist eine große Schlange mit silbernen Schuppen, die daliegt und auf Raub lauert. Die hohen, gelben Sandufer mit spärlichen Grasbüscheln, durch die sich der Fluß sein Bett gebohrt hat, sind die Wände einer Fallgrube, auf deren Boden die Schlange lauert, und die breite Landstraße, die ein Loch in die Wand bricht und sich durch tiefen Sand bis an die Fähre hinabschlängelt, neben der die Prähme vertäuet liegen, ist der Eingang zu der fürchterlichen Mordgrube.

Und der kleine Mann steht da und starrt mit seinen kleinen blauen Augen. Sein langes weißes Haar flattert im Winde, und seine Wangen, die gewöhnlich ein zarter Rosenschimmer färbt, sind ganz bleich vor Angst. Er weiß so gewiß, als habe es ihm jemand gesagt, daß bald jemand dort vom Wege herkommen und sich in den Rachen der lauernden Schlange stürzen wird.