Jetzt sind die Kavaliere bereit, vom Ufer abzustoßen. Sie greifen zu den langen Stangen, um die Prähme in
den Strom hineinzuschieben, da aber ruft Löwenberg: »Haltet! Um Gottes willen, haltet!«
Sie begreifen, daß er anfängt verwirrt zu werden, weil er fühlt, wie der Prahm schaukelt, lassen aber doch unwillkürlich die Stangen sinken, und er, der sieht, wie der Strom auf Raub lauert, und daß notwendigerweise jemand kommen und sich hineinstürzen muß, zeigt mit einer warnenden Bewegung auf die Landstraße, ganz als sähe er jemand kommen.
Wir wissen ja alle, daß das Leben oft so ein Zusammentreffen herbeiführt wie das, was nun folgte. Wer sich noch wundern kann, mag darüber staunen, daß die Kavaliere gerade an dem Morgen, der auf die Nacht folgte, in der sich die Gräfin Elisabeth auf die Wanderung gen Osten begeben hat, mit ihren Prähmen an der Fähre liegen müssen, die über den Klarelf führt. Aber es würde doch noch weit wunderlicher gewesen sein, wenn die junge Frau keine Hilfe in ihrer Not gefunden hätte. Es traf sich nun gerade so, daß sie, die die ganze Nacht gewandert war, eben in dem Augenblick an die Fähre kam, als die Kavaliere im Begriff waren, vom Ufer abzustoßen. Sie blieben regungslos stehen und sahen ihr zu, während sie mit dem Fährknecht sprach, der sein Boot flottmachte. Sie trug Bauernkleidung, und sie ahnten nicht, wer sie war. Aber sie starrten doch zu ihr hinüber, weil sie ihnen so bekannt vorkam. Wie sie nun dort stand und mit dem Fährknecht sprach, ward eine Staubwolke auf der Landstraße sichtbar, und aus der Staubwolke heraus kam eine große gelbe Kalesche. Sie wußte sofort, daß sie aus Borg kam, und daß sie ausgefahren waren, um sie zu suchen, und daß sie nun entdeckt werden würde.
Sie konnte nicht mehr daran denken, im Fährboot zu entkommen, und das einzige Versteck, das sie erblickte, waren die Prähme der Kavaliere. Sie stürzte darauf zu, ohne zu sehen, wer sich an Bord befand. Und es war gut, daß sie es nicht sah, denn dann hätte sie sich wohl lieber unter die Pferdehufe geworfen, als ihre Zuflucht zu ihnen genommen.
Als sie an Bord gekommen war, schrie sie nur: »Verbergt mich! Verbergt mich!« Und dann strauchelte sie und fiel über die Eisenladung. Die Kavaliere aber baten sie, ruhig zu sein. Sie stießen schnell vom Ufer ab, damit der Prahm in den Strom hinaus kam und nach Karlstadt zu trieb. Gerade in dem Augenblick langte die Kalesche an der Fähre an.
In dem Wagen saßen Graf Henrik und Gräfin Märta. Jetzt lief der Graf zu dem Fährknecht, um zu fragen, ob er die Gräfin gesehen habe. Da Graf Henrik aber verlegen war und nicht nach einer fortgelaufenen Gattin fragen mochte, sagte er nur: »Es ist etwas verschwunden!«
»So?« sagte der Fährknecht.
»Es ist etwas verschwunden. Ich frage, ob Er etwas gesehen hat?«
»Wonach fragt Ihr?«