Als sie dieser jungen Frau auf den Festen des Winters begegnet waren, hatte der eine und der andere von ihnen an eine junge Schwester denken müssen, die er einstmals geliebt hatte. Wenn er im Spiel mit ihr seine Kräfte erprobte, hatte er sie behutsam anfassen müssen, und wenn

er mit ihr sprach, hatte er acht auf sich geben müssen, um nicht häßliche Worte zu gebrauchen. Hatte ein fremder Knabe im Spiel zu wild hinter ihr dreingejagt oder ihr gar häßliche Lieder vorgesungen, so hatte er sich in grenzenloser Erbitterung über den Knaben geworfen und ihm fast das Leben aus dem Leibe geprügelt, denn seine kleine Schwester sollte nichts Böses hören, sollte kein Leid erfahren, sollte weder mit Haß noch mit Feindseligkeit in Berührung kommen.

Gräfin Elisabeth war die fröhliche Schwester aller Kavaliere gewesen. Wenn sie ihre kleinen Hände in ihre harten Fäuste gelegt hatte, war es, als wolle sie sagen: »Fühlt, wie gebrechlich ich bin, aber du bist mein großer Bruder und du sollst mich gegen andere und gegen dich selber beschützen.« Und sie waren ritterliche Herren gewesen, solange sie sie gesehen hatten.

Jetzt sahen die Kavaliere sie mit Entsetzen und erkannten sie nicht wieder. Sie war vergrämt und abgemagert, der Hals hatte seine Rundung verloren, das Gesicht war durchsichtig geworden. Sie hatte sich wohl auf ihrer nächtlichen Wanderung gestoßen, denn von Zeit zu Zeit perlte ein Blutstropfen aus einer kleinen Wunde in der Schläfe, und das lockige, blonde Haar, das ihr in die Stirn hing, war von geronnenem Blut zusammengeklebt. Ihr Kleid war schmutzig von der langen Wanderung auf taufeuchten Wegen, und ihre Schuhe waren übel zugerichtet. Die Kavaliere hatten ein unheimliches Gefühl, daß dies eine Fremde sei. Die Gräfin Elisabeth, die sie gekannt, hatte nicht so wilde, brennende Augen gehabt. Ihre arme kleine Schwester war fast bis zum Wahnsinn getrieben. Es war, als kämpfe eine Seele, die aus einer andern Welt

herabgestiegen war, um die Herrschaft in diesem abgezehrten Körper.

Aber sie brauchen sich keine Sorgen darüber zu machen, was sie mit ihr anfangen sollen. Die alten Gedanken erwachen bei ihr. Die Versuchung hat sich ihrer wieder bemächtigt. Gott will sie wieder versuchen. Siehe, sie ist unter Freunden. Hat sie die Absicht, den Weg der Buße zu verlassen?

Sie sprang auf und rief, daß sie fortmüsse.

Die Kavaliere versuchten sie zu beruhigen. Sie sagten ihr, sie könne ganz ruhig sein. Sie wollten sie schon gegen jegliche Verfolgung beschützen.

Sie bat nur, ob sie nicht in das kleine Boot steigen dürfe, das hinten an den Prähmen angebunden war, um ans Land zu rudern und ihre Wanderung allein fortzusetzen.

Aber sie konnten sie ja nicht gehen lassen. Was sollte nur aus ihr werden? Es war besser, wenn sie bei ihnen blieb. Wohl waren sie nur arme, alte Männer, aber sie würden schon Mittel und Wege finden, ihr zu helfen.