Da rang sie ihre Hände und bat, sie möchten sie gehen lassen. Aber sie konnten ihre Bitte nicht erfüllen. Sie sahen, daß sie elend und schwach war, daß sie auf der Landstraße sterben würde.

Gösta Berling stand eine Strecke von ihr entfernt und schaute ins Wasser hinab. Vielleicht würde die junge Frau ihn nicht gern sehen. Er wußte es nicht, aber seine Gedanken spielten und lachten. »Jetzt weiß niemand, wo sie ist,« dachte er, »jetzt können wir sie mit nach Ekeby nehmen. Wir wollen sie dort verborgen halten, wir Kavaliere, und wir wollen schon gut gegen sie sein. Sie soll

unsere Königin, unsere Herrscherin sein, niemand aber soll wissen, daß sie dort ist. Wir wollen sie so gut, so gut bewachen! Vielleicht kann sie glücklich unter uns werden; alle die Alten werden eine väterliche Fürsorge für sie empfinden wie für eine Tochter. Sie wird uns zu Menschen machen, wir werden Mandelmilch trinken und Französisch sprechen. Und wenn unser Jahr um ist, was dann? Kommt Zeit, kommt Rat!«

Er hatte nie gewagt, es sich selber klarzumachen, ob er sie liebte. Er konnte sie nicht ohne Sünde besitzen, und er wollte sie nicht zu etwas Niedrigem oder Schlechtem herabziehen, das war alles, was er wußte. Aber sie auf Ekeby zu verbergen und gut gegen sie sein zu dürfen, jetzt, wo die andern schlecht gewesen waren, sie alles genießen zu lassen, was das Leben an Gutem besitzt, ach, welche Träume, welche seligen Träume!

Aber er erwachte aus diesen Träumen, denn die junge Gräfin war ganz verzagt, und ihre Worte hatten den schneidenden Klang der Verzweiflung. Sie hatte sich mitten zwischen den Kavalieren auf die Knie geworfen und flehte sie an, ihr fortzuhelfen.

»Gott hat mir noch nicht vergeben,« rief sie, »laßt mich gehen!«

Gösta sah, daß keiner der andern imstande war, ihr zu gehorchen, er sah ein, daß er es tun müsse. Er, der sie liebte, mußte es tun.

Es war so schwer für ihn zu gehen, als wenn jedes Glied an seinem Körper Widerstand gegen seinen Willen leiste, aber er schleppte sich bis zu ihr hin und sagte ihr, daß er sie ans Ufer bringen wolle.

Sie stand sofort auf. Er trug sie ins Boot hinab

und ruderte sie an das östliche Ufer. Er landete an einem schmalen Steg und half ihr aus dem Boot.