Anfang August hielt eine geschlossene Kutsche vor der großen Freitreppe. Alle Dienstboten stellten sich ringsumher auf, und in Schals gehüllt, einen dichten Schleier vor dem Gesicht, kam Gräfin Märta heraus. Der Graf führte sie, aber sie zitterte und bebte. Nur mit der größten Schwierigkeit konnte man sie bewegen, über die Diele und die Treppe hinabzugehen.

Und dann saß sie glücklich im Wagen, der Graf sprang hinter ihr hinein, die Türen wurden zugeschlagen, und der Kutscher trieb die Pferde an. Als die Elstern am nächsten Morgen erwachten, war sie auf und davon.

Der Graf lebte seither fern im Süden. Borg wurde verkauft und hat häufig den Besitzer gewechselt. Alle müssen das schöne Stück Erde lieben, aber wohl nur wenige sind dort glücklich gewesen.

Gottes Gesandter

Gottes Gesandter, Hauptmann Lennart, kam an einem Nachmittag im August in den Brobyer Gasthof gewandert und ging geradeswegs in die Küche. Er befand sich auf dem Wege nach seinem Heim Helgesäter, das eine Viertelmeile nördlich von Broby hart am Waldesrande liegt.

Hauptmann Lennart wußte damals noch nicht, daß er ein Gesandter Gottes hier auf Erden werden sollte. Sein Herz war von jubelnder Freude erfüllt bei dem Gedanken, daß er sein Heim wiedersehen sollte. Er hatte ein hartes Schicksal durchgekämpft, aber nun war er daheim, nun sollte alles wieder gut werden. Er wußte nicht, daß er einer von denen werden sollte, die nicht

unter eigenem Dache ruhen, die sich nicht am eigenen Herde wärmen dürfen.

Hauptmann Lennart hatte einen fröhlichen Sinn. Als er niemand in der Küche traf, wirtschaftete er dort herum wie ein wilder Bube. Im Handumdrehen verstellte er den Webstuhl und brachte die Schnur des Spinnrades in Unordnung. Er warf die Katze dem Hund an den Kopf und lachte, daß es durch das ganze Haus schallte, als die beiden Kameraden in der Hitze des Augenblicks die alte Freundschaft brachen und mit gekrümmten Krallen, mit wütenden Blicken und borstigem Haar aufeinander losfuhren.

Und dann kam, vom Lärm herbeigelockt, die Wirtin herein. Sie blieb auf der Türschwelle stehen und betrachtete den Mann, der über die kämpfenden Tiere lachte. Sie kannte ihn wohl, als sie ihn aber zuletzt sah, hatte er mit Handeisen auf dem Gefängniskarren gesessen. Sie entsann sich dessen sehr wohl. Vor fünf und einem halben Jahr hatte ein Dieb auf dem Wintermarkt in Karlstad alle die Schmucksachen der Frau des Landeshauptmanns gestohlen. Viele Ringe, Armbänder und Spangen, auf die die vornehme Frau große Stücke hielt – denn es waren alles Geschenke und Erbstücke –, waren verloren gegangen. Sie wurden niemals gefunden. Aber im ganzen Lande verbreitete sich das Gerücht, daß Hauptmann Lennart auf Helgesäter der Dieb sei.

Die Bäuerin hatte niemals begreifen können, wie ein solches Gerücht entstehen konnte. War denn dieser Hauptmann Lennart nicht ein guter, ehrenhafter Mann? Er hatte in glücklicher Ehe mit seiner Frau gelebt, die er erst vor ein paar Jahren heimgeführt hatte; denn seine