Er rudert rund um die Landzunge herum, steigt gerade vor dem Kirchhof aus dem Boot und geht dann über abgemähte Felder, die dem Grafen auf Borg gehören, bis an Acquilons Grab.
Da beugt er sich nieder und streichelt die Grassoden, wie man leise die Decke streichelt, unter der ein kranker Freund ruht. Dann holt er seine Rabougekarten hervor und setzt sich neben das Grab nieder.
»Er liegt hier so einsam, Johan Frederick, er sehnt sich gewiß nach einem Spiel Karten.«
»Eine Sünde und Schande ist es, daß ein solcher Mann hier draußen liegen soll«, sagt der große Bärenjäger Anders Fuchs und setzt sich neben ihn.
Aber der kleine Ruster, der Flötenspieler, dankt mit bewegter Stimme, während die Tränen fleißig aus seinen kleinen roten Augen tropfen.
»Nächst Euch, Oberst, nächst Euch war er der beste Mann, den ich gekannt habe.«
Das war der kleine Ruster, der Straßenjunge aus
Karlstad, der ein großer Tagedieb und Raufbold gewesen war, den aber die Liebe zur Musik ganz wunderbar zivilisiert hatte, so daß er sich zum Gleichgestellten seines Herrn aufschwang. Zwei große Heldentaten hatte er aus seiner Jugend zu berichten. Die eine war die, daß er und Acquilon nach Göteborg hinabgefahren waren und als große Herren gelebt, in den feinsten Hotels gegessen, in den reichsten Häusern verkehrt, mit den schönsten Damen getanzt und jede Nacht um Tausende von Kronen Karten gespielt hatten, und das alles, ohne einen einzigen Öre zu besitzen. Und die andre, daß er einmal als Trommelschläger bei dem Regiment seines lieben Obersten mit dabei gewesen war, einen feindlichen Angriff abzuwehren, da unten in Deutschland. Das halbe Regiment war schon niederschlagen, aber er und der Oberst rührten sich nicht vom Fleck. Da kam ein Adjutant vom Kronprinzen. »Rückzug!« rief er dem Obersten zu. »Grüßt Se. kgl. Hoheit und sagt, daß ich mich bis auf den letzten Mann schlagen und dann mit dem Rest den Rückzug antreten werde«, erwiderte der Oberst, und die Soldaten riefen: »Hurrah!« und der kleine Ruster schlug einen jubelnden Trommelwirbel.
Seit jenem Tage waren der Oberst und Ruster immer Freunde gewesen, aber dem Kronprinzen war Beerencreutz seither ein Dorn im Auge, und er hatte seinen Abschied ohne Gnade oder Pension bekommen. Und das kam nun daher, weil er zu tapfer gewesen war, sagte der kleine Ruster.
Diese drei würdigen Männer sitzen nun in der Runde um das Grab und geben die Karten, eifrig und ernsthaft.