»Ach, Marianne, liebe Marianne, ich habe schon mit deinem Vater gesprochen. Ich möchte dich so gern zur Frau haben. Sage, daß du es willst, Marianne!«

Sie hatte ihm die Wahrheit entlockt. Der alte Baron, sein Vater, hatte sich wieder verleiten lassen, mehrere leere Gruben zu kaufen. Sein ganzes Leben lang hatte der alte Baron Gruben gekauft, und es war niemals etwas darin gewesen. Seine Mutter war besorgt, er selber war in Schulden geraten, und nun hielt er um ihre Hand an, um dadurch sein väterliches Gut und seine Husarenjacke zu retten. Sein Heim, die Hedeby-Alm, lag jenseits des Sees, Björne fast gerade gegenüber. Sie kannte ihn sehr gut, waren sie doch Altersgenossen und Spielkameraden.

»Du könntest dich wirklich mit mir verheiraten, Marianne, es ist ein elendes Leben, das ich führe. Ich muß auf geborgten Pferden reiten und kann meine Schneiderrechnung nicht bezahlen. Auf die Dauer kann das ja nicht gehen. Ich muß meinen Abschied nehmen, und dann jage ich mir eine Kugel durch den Kopf.«

»Aber Adrian! was für eine Ehe soll das nur werden? Wir sind ja nicht im mindesten ineinander verliebt.«

»Ja, was die Liebe betrifft, so mache ich mir nichts aus dem Trödel«, hatte er darauf erklärt. »Ich mag gern gute Pferde reiten und auf die Jagd gehen, aber ich bin kein Kavalier, ich will arbeiten. Wenn ich nur so viel Geld hätte, daß ich das Gut daheim übernehmen und meiner Mutter sorgenlose Tage verschaffen könnte,

so wollte ich schon zufrieden sein. Ich wollte pflügen und säen, denn ich liebe die Arbeit.«

Und dann hatte er sie mit seinen guten Augen angesehen, und sie wußte, daß er die Wahrheit sprach und daß er ein Mann war, auf den man sich verlassen konnte. Sie verlobte sich mit ihm, hauptsächlich um von Hause fortzukommen, aber auch, weil sie ihn stets gut hatte leiden können.

Nie aber würde sie den Monat vergessen, der nun folgte, jenen Augustabend, an dem ihre Verlobung erklärt war, diese ganze Zeit des Wahnsinns.

Baron Adrian war mit jedem Tage schweigsamer und melancholischer geworden. Er kam oft genug nach Björne, zuweilen zweimal am Tage, aber sie konnte nicht umhin, zu bemerken, wie verstimmt er war. Wenn er mit andern zusammentraf, konnte er noch scherzen, in ihrer Gegenwart aber wurde er ganz unmöglich, lauter Schweigen und Langeweile. Sie verstand sehr wohl, was ihm fehlte: es war nicht so leicht, wie er es sich gedacht hatte, ein häßliches Mädchen zu heiraten. Jetzt hatte er Widerwillen gegen sie gefaßt. Niemand wußte besser als sie selber, wie häßlich sie war. Sie hatte ihm wohl gezeigt, daß sie kein Verlangen nach Liebkosungen oder Liebesversicherungen besaß, aber es war für ihn natürlich trotzdem eine Qual, sie sich als seine Gattin vorzustellen, und das wurde mit jedem Tage schlimmer. Weshalb quälte er sich selber denn so? Weshalb löste er die Verlobung denn nicht? Sie hatte ihm Winke gegeben, die deutlich genug waren. Sie selber konnte nichts tun. Ihr Vater hatte ihr geradezu gesagt, ihr Ruf vertrüge keine weiteren Extravaganzen in bezug auf Verlobungen. Da hatte sie

beide gleich gründlich verachtet, und jeder Ausweg, der sie aus dem Bereich dieser ihrer beiden Herren führte, war ihr gut erschienen.