»Ein junger Pfarrer«, fährt Gösta fort, »kommt da hinauf, arm wie alle die andern. Er sagt zu dem Trunkenbold: ‘Laß das Trinken!’«
»Da antwortet der Trunkenbold,« fällt ihm der Pfarrer in die Rede: »‘Gib mir etwas, das besser ist als Branntwein! Der Branntwein ist mir ein Pelz im
Winter, er gibt mir Kühlung im Sommer. Der Branntwein ist mir eine warme Stube und ein weiches Bett. Gib mir dies alles, dann will ich das Trinken lassen.’«
»Und dann«, fährt Gösta fort, »sagt der Pfarrer zum Dieb: ‘Du sollst nicht stehlen’, und zu dem bösen Mann: ‘Du sollst deine Frau nicht schlagen’, und zu dem Abergläubischen: ‘Du sollst an Gott glauben und nicht an Gespenster und Kobolde!’ Der Dieb aber antwortet: ‘Gib mir Brot’, und der böse Mann sagt: ‘Mach uns reich, dann wollen wir den Unfrieden nachlassen’, und der Abergläubische: ‘Lehre mich etwas Besseres!’ Wer aber kann ihnen ohne Geld helfen?«
»Das ist wahr, das ist wahr! Jedes Wort ist wahr!« ruft der Pfarrer aus. »An Gott glaubten sie, mehr aber noch an den Teufel und an die Kobolde in den Bergen und an böse Geister. Alles Korn wanderte in den Branntweinkessel. Niemand konnte das Ende des Elends absehen. In den meisten der grauen Hütten war die Not zu Hause. Heimlicher Kummer machte die Zunge der Frauen bitter. Die Ungemütlichkeit im Hause trieb die Männer zum Trinken. Das Feld und das Vieh wußten sie nicht zu behandeln. Sie fürchteten den Edelmann und machten sich lustig über den Pfarrer. Was sollte man mit ihnen anstellen? Was ich von der Kanzel zu ihnen sprach, verstanden sie nicht. Was ich sie lehren wollte, glaubten sie nicht. Und niemand, mit dem man sich hätte beraten können, niemand, der mir helfen konnte, den Mut aufrechtzuerhalten.«
»Es gibt Geistliche, die es ausgehalten haben«, sagt Gösta. »Gottes Gnade ist so reich über einigen von ihnen gewesen, daß sie nicht als gebrochene Menschen
von einem solchen Leben zurückgekehrt sind. Ihre Kräfte haben ausgereicht, sie haben die Einsamkeit, die Armut, die Hoffnungslosigkeit ertragen. Sie haben das wenige Gute ausgerichtet, was sie vermochten, und sind nicht verzweifelt. Solche Männer hat es stets gegeben, gibt es auch noch. Ich begrüße sie als Helden. Ich will sie ehren, solange ich lebe. Ich hätte es nicht durchführen können.«
»Ich vermochte es nicht«, sagt der Pfarrer.
»Der Pfarrer dort oben«, sagt Gösta nachdenklich, »beschließt, daß er ein reicher Mann, ein überaus reicher Mann werden will. Kein Armer kann das Böse bekämpfen. Und dann fängt er an, Geld zu sammeln.«
»Wenn er kein Geld sammelte, würde er anfangen zu trinken,« antwortete der Alte, »er sieht so viel Elend.«