Aber da hört sie gleichsam eine Klage in ihrer eigenen Seele. Die starken Kräfte des Lebens und die warmen Gefühle schreien laut nach dem Glück zu leben.

»Gibt es denn nichts,« ruft sie aus, »was dem Leben Schönheit verleihen kann, wenn ihr mir Gott und die Unsterblichkeit genommen habt?«

»Die Arbeit!« antwortet der Alte.

Sie aber sieht wieder hinaus, und ein Gefühl der Verachtung vor dieser armseligen Welt beschleicht sie. Das Unergründliche erhebt sich vor ihr, sie sieht den Geist in allem wohnen, sie fühlt die Kraft, die in der scheinbar toten Materie gebunden liegt, die sich aber zu tausendfältig wechselndem Leben entwickeln kann. Mit schwindelnden Gedanken sucht sie nach einem Namen für das Vorhandensein von Gottes Geist in der Natur.

»Ach, Eberhard,« sagt sie, »was ist Arbeit? Ist das ein Gott? Hat sie ein Ziel in sich selbst? Nenne etwas anderes!«

»Ich weiß nichts anderes«, erwidert der Alte.

Aber nun hat sie den Namen gefunden, den sie sucht, einen armen, oft geschändeten Namen.

»Onkel Eberhard, warum nennst du nicht die Liebe?«

Da gleitet ein Lächeln über den zahnlosen Mund, um den sich die vielen Runzeln kreuzen.

»Hier,« sagt der Philosoph und schlägt mit der geballten Faust auf den großen Haufen, »hier werden alle Götter gemordet, und ich habe Eros nicht vergessen. Was ist die Liebe anders als das Bedürfnis des Fleisches? Warum sollte sie höher stehen als andere Forderungen des Körpers? Mache den Hunger zu einem Gott! Mache die Müdigkeit zu einem Gott! Sie sind ebenso würdig. Aber diese Torheiten sollen ein Ende haben! Die Wahrheit soll leben!«