Jetzt werden wir ein neues Wunder sehen. Was es wohl werden mag? Wird er uns lehren, auf dem Wasser zu gehen oder eine Leiter an das Siebengestirn zu setzen? – Nichts ist unmöglich für einen solchen Mann. Wir haben ihn mit eigenen Augen von Flügeln durch die Luft tragen sehen. Wir haben seinen Wagen durch die Straßen brausen sehen. Er hat die Gabe der Hulder erhalten: nichts ist ihm unmöglich.

Eines Nachts, die erste oder die zweite im Oktober, hatte er das Wunder fertig. Er kam damit in der Hand aus der Werkstatt heraus. Es war ein Rad, das unaufhörlich rotierte; wenn es sich drehte, leuchteten die Speichen wie Feuer, und Licht und Wärme gingen davon aus. Kevenhüller hatte eine Sonne geschaffen. Als er damit aus der Werkstatt herauskam, wurde die Nacht so hell, daß die Spatzen zu zwitschern begannen und die Wolken sich röteten wie bei Sonnenaufgang.

Es war die herrlichste Erfindung. – Keine Finsternis, keine Kälte würde es fortan mehr auf Erden geben. Es schmeichelte ihn, wenn er den Gedanken ausdachte. Die Sonne des Tages sollte nach wie vor auf- und untergehen, aber wenn sie verschwand, sollten Tausende und aber Tausende von seinen Feuerrädern über dem Lande aufflammen, und die Luft sollte vor Wärme zittern wie an dem heißesten Sommertage. Da sollte man reifes Korn unter dem Sternenhimmel des Hochwinters ernten; Erdbeeren und Heidelbeeren sollten die Waldhügel das ganze Jahr hindurch bedecken; nie sollte Eis das Wasser in Fesseln schlagen.

Jetzt, wo die Erfindung fertig war, sollte sie eine neue Erde erschaffen. Sein Feuerrad sollte ein Pelz für den Armen und eine Sonne für den Grubenarbeiter werden.

Es sollte den Fabriken Treibkraft verleihen, der Natur – die jetzt vom Herbst bis zum Frühling schlafen mußte – neues Leben spenden, der Menschheit ein besseres, glückliches Dasein schaffen. Aber er wußte nur zu gut, daß das alles Träume waren und daß die Hulder ihm niemals erlauben würde, sein Feuerrad zu vervielfältigen. Und in seinem Zorn und seiner Rachlust dachte er, daß er sie totschlagen wollte, und dann wußte er wohl kaum mehr, was er tat.

Er ging in das Wohnhaus hinauf, und auf die Diele, gerade unter die Treppe stellte er das Feuerrad. Es war seine Absicht, daß das Haus in Brand geraten und das Ungeheuer verbrennen sollte.

Dann ging er wieder in seine Werkstatt und saß dort still und lauschte.

Auf dem Hofe entstand Lärm und Rufen. Jetzt fing man an zu merken, daß eine Heldentat ausgeführt war.

Ja, lauft ihr nur und schreit und läutet mit den Glocken! Jetzt verbrennt sie doch, die Hulder, die ihr auf Samt und Seide gebettet habt!

Ob sie sich in Qualen windet, ob sie aus dem einen Zimmer in das andere läuft? Ach, wie wird die grüne Seide flammen, wie werden die Flammen in dem dicken Haar spielen! Frischen Mut, ihr Flammen! Frischen Mut! Fanget sie, zündet sie an, verbrennet die Hexe! Fürchtet euch nicht vor ihren Zauberworten, ihr Gluten! Laßt sie brennen! Da sind Menschen, die um ihretwillen ihr ganzes Leben haben brennen müssen!