Sie sandte einen unsagbar verächtlichen Blick zu ihm hinüber. »Du wolltest mich zur Witwe eines Selbstmörders machen!«
Sein Antlitz verzog sich schmerzlich. »Elisabeth, laß uns unter vier Augen miteinander reden.«
»Weshalb sollten diese Menschen uns nicht anhören können?« rief sie mit scharfer Stimme aus. »Sind wir besser als sie? Hat jemand von ihnen mehr Kummer
und Sorge hervorgerufen als wir? Sie sind die Kinder des Waldes und der Landstraße, aller Hand ist gegen sie erhoben. Laß sie nur hören, daß auch dem Herrn von Ekeby Sünde und Schmach anhaftet, ihm, dem von allen geliebten Gösta Berling. Glaubst du, daß ich mich für besser halte als sie – oder tust du es?«
Er richtete sich mit Anstrengung aus seiner liegenden Stellung auf und sah sie mit aufflammendem Trotz an. »Ich bin nicht so elend, wie du meinst.« Und in seinem Zorn erzählte er ihr von der Begeisterung des Vormittags und der Übereinkunft vor der Kirchentür.
»Es wäre längst mit mir aus gewesen, wenn du nur nicht in den Wald gekommen wärest«, sagte er schließlich. »Ich konnte nicht sterben, während du mir so nahe warst. Laß mich jetzt aber frei, damit ich mein Wort einlösen kann!«
»Ach,« sagte sie, als er geendet hatte, »wie gut ich das alles kenne! Heldenphrasen! Heldenmanieren! Stets bereit, die Hände ins Feuer zu stecken, Gösta, stets bereit, dich selber wegzuwerfen. Wie groß habe ich das nicht einstmals gefunden! Wie sehr liebe ich jetzt aber Ruhe und Besonnenheit! Wenn du deine Hand auf den Sarg des guten Mannes gelegt und in Sintrams Gegenwart geschworen hättest, zu leben, um diesen armen Leuten zu helfen, die er ins Verderben stürzen wollte, dann würde ich dich gepriesen haben. Daß du ihnen aber durch ein Verbrechen helfen, daß du Versöhnung durch ein Verbrechen suchen wolltest – wie kannst du erwarten, daß ich das schön finden soll?«
Er sah sie voller Verzweiflung an. »Ich mußte Versöhnung suchen!« rief er aus; »und was habe ich zu
geben, wenn nicht mein Leben? Du vergißt, daß ich ein abgesetzter Pfarrer bin, verworfen von den Menschen, verworfen von Gott.«
»Wie wagst du es, so zu reden, Gösta! Man ist dir mit zu viel Liebe begegnet, das ist das Unglück. Frauen und Männer haben dich geliebt. Wenn du nur scherztest und lachtest, wenn du nur sangest und spieltest, dann verziehen sie dir alles. Alles, was du ausführtest, fanden sie gut. Und hörtest du nicht die Rede des Propstes am Grabe? Hörtest du nicht, was Gott von dir erwartet? Die armen Menschen gingen nach Hause und sprachen von dir als von ihrem Erretter, und du gingest in den Wald und wolltest sterben. Du bist aller Held, Gösta, und du willst sie verlassen!«