»Wie kann ich ihnen ohne Geld helfen? Habe ich nicht Sintram versprochen, zu sterben, sobald ich dies Geld bekommen hätte?«

»Wir auf Ekeby,« erwiderte die Gräfin, und ihre Stimme bebte vor Zorn und Kummer, »wir wußten gestern abend schon, wo das Geld war. Major Fuchs fiel es plötzlich ein, er hatte den Schatz in einer Nacht entdeckt, als er in den Kirchturm geschlichen war, um Glockenerz zu einer Kugel zu holen.«

Gösta schloß die Augen und führte die gebundenen Hände an seine Brust, als wolle er die Qualen seines Herzens beschwichtigen.

»Aber das macht in bezug auf dich gar keinen Unterschied,« fuhr die Gräfin fort. »Sintram hat dir ehrlich gesagt, wo das Geld steckt, du schuldest es ihm also, zu sterben. Ach, wie kannst du nur glauben, daß Geld einer Not wie der unsern zu steuern vermag! Und siehe, Gösta,

welch ein herrlicher Abschluß für dein Leben! Man wird dich mit Tränen zur letzten Ruhestätte geleiten, und du wirst nicht weniger gepriesen werden als der gute Hauptmann Lennart, denn auch du hast ja dein Leben für das Volk dahingegeben. Und ich allein weiß, daß du es fröhlich hingabst, weil du Reue und Buße schuldetest. Jetzt aber sage ich dir, daß du leben sollst, und du sollst ganz einfach hingehen und deine Pflicht tun.

»Du sollst nicht von Heldentaten träumen, du sollst nicht glänzen und Staunen erregen, du sollst dafür sorgen, daß dein Name nicht zu viel in aller Leute Munde ist. Bedenke dich aber wohl, ehe du dein Sintram gegebenes Wort zurücknimmst! Du hast dir nun eine Art von Anrecht erworben zu sterben, und in Zukunft wird dir das Leben wohl nicht mehr viele Freude bieten. Es hat bisher keine rechte Klarheit zwischen uns bestanden, Gösta; du hast es nicht gewagt, mich als deine Gattin zu betrachten, und ich habe nicht gewußt, ob es Gottes Wille war, der uns zusammenführte, oder nur die Folge einer krankhaften Überspanntheit von meiner Seite. Es war eine Zeit hindurch mein Wunsch, gen Süden zu ziehen, ich glaubte, es sei ein zu großes Glück für mich Schuldbeladene, deine Gattin zu sein und an deiner Seite durchs Leben zu wandern. Aber jetzt will ich hierbleiben. Wenn du den Mut hast zu leben, will ich hierbleiben. Erwarte aber keine Freude davon; ich werde dich zwingen, die Wege der schweren Pflichten zu wandern. Niemals darfst du von mir Worte der Freude und der Hoffnung erwarten. All den Kummer, all das Unglück, das wir beide hervorgerufen haben, will ich als Wächter an unserm Herd aufstellen. Kann wohl ein Herz, das so viel

gelitten hat wie das meine, noch lieben? Ohne Tränen, ohne Freude werde ich an deiner Seite wandern. Bedenke dich wohl, Gösta, ehe du deine Wahl triffst! Es ist der Weg der Buße, den wir wandern werden.«

Sie wartete nicht auf Antwort. Sie winkte ihrer Begleiterin und ging. Als sie in den Wald kamen, fing die Gräfin bitterlich an zu weinen und weinte, bis sie Ekeby erreichten. Dort angekommen, fiel es ihr plötzlich ein, daß sie ganz vergessen hatte, mit Jan Hök, dem Soldaten, über freundlichere Dinge als über den Krieg zu reden.

In der Waldhütte ward es still, als sie gegangen war.

»Herr Gott, dir sei Preis und Ehre!« sagte plötzlich der alte Soldat.