Man erzählt sich, daß, ehe Gösta Berling den Hof erreichte, ein Fremder dort angelangt sei und einen Brief an die Majorin abgegeben habe. Niemand kannte den Boten, der Brief aber wurde hineingetragen und neben der Kranken auf den Tisch gelegt. Gleich darauf trat eine unerwartete Besserung ein, das Fieber ließ nach, die Schmerzen nahmen ab, und sie fühlte sich wohl genug, um den Brief zu lesen.
Die Alten wollten nur zu gern glauben, daß diese Besserung dem Einfluß der finsteren Mächte zuzuschreiben sei. Sintram und seine Freunde konnten Vorteil davon haben, wenn die Majorin diesen Brief las.
Es war ein mit Blut auf schwarzem Papier geschriebenes Dokument. Die Kavaliere würden es wohl wiedererkannt haben; es war in der vergangenen Christnacht in der Schmiede zu Ekeby geschrieben worden.
Und die Majorin lag nun da und las, daß sie, sintemal sie eine Hexe gewesen sei und Kavalierseelen zur Hölle gesandt habe, verurteilt werde, Ekeby zu verlieren. Dies und ähnliche Torheiten las sie. Sie betrachtete das Datum und die Unterschriften, und fand bei Göstas Namen folgende Bemerkung: »Sintemal die Majorin sich meine Schwäche zunutze gemacht hat, um mich von ehrlicher Arbeit abzuhalten und mich als Kavalier auf Ekeby zu behalten; sintemal sie mich zu Ebba Dohnas Mörder gemacht hat, indem sie ihr verriet, daß ich ein abgesetzter Geistlicher bin, unterschreibe ich.«
Die Majorin faltete langsam das Papier zusammen und legte es in den Umschlag; dann lag sie regungslos da und dachte über das nach, was sie soeben erfahren hatte. Sie begriff unter bitteren Schmerzen, daß dies die
Meinung der Leute von ihr war. Eine Hexe und eine Zauberin war sie für alle die, denen sie wohlgetan, denen sie Arbeit und Brot gegeben hatte. Dies war ihr Lohn, dies würde ihr Leumund sein. Einer Ehebrecherin konnten sie nichts anderes zutrauen.
Was aber machte sie sich aus diesen Unwissenden? Sie hatten ihr doch ferngestanden. Aber diese armen Kavaliere, die von ihrer Gnade gelebt hatten und sie genau kannten, auch sie glaubten es oder taten doch so, als ob sie es glaubten, um einen Vorwand zu haben, unter dem sie Ekeby an sich reißen konnten. Ihre Gedanken jagten schnell durch ihr fieberheißes Gehirn, wilder Zorn, glühende Rachelust sprachen aus ihren Augen. Sie ließ die Tochter des Pfarrers von Broby, die mit Gräfin Elisabeth bei ihr wachte, einen Boten nach Högfors zum Gutsverwalter und zum Inspektor senden. Sie wollte ihr Testament machen.
Wieder lag sie da und sann. Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen, ihr Antlitz verzerrte sich unheimlich vor Schmerz.
»Sie sind sehr krank, Frau Majorin«, sagte die Gräfin leise.