»Das bin ich, kränker denn je zuvor.«

Es trat abermals eine Pause ein, dann aber sprach die Majorin mit harter, scharfer Stimme: »Es ist wunderlich zu denken, daß auch Gräfin Elisabeth, die von allen geliebt wird, eine Ehebrecherin ist.«

Die junge Gräfin zuckte zusammen.

»Ja, wenn auch nicht in Taten, so doch in Gedanken und in Wünschen, und das macht keinen Unterschied.«

»Das weiß ich, Frau Majorin.«

»Und doch bist du jetzt glücklich geworden. Du kannst den, den du liebst, ohne Sünde besitzen; das schwarze Gespenst wird nicht zwischen euch stehen, wenn ihr einander jetzt begegnet. Ihr könnt euch auch vor der Welt angehören. Ihr könnt Seite an Seite durchs Leben wandern.«

»Ach, liebe Frau Majorin.«

»Wie kannst du es wagen, bei ihm zu bleiben?« rief die Alte mit steigender Heftigkeit aus. »Tue Buße! Tue beizeiten Buße! Reise heim zu deinem Vater und zu deiner Mutter, ehe sie kommen und dich verfluchen. Wagst du es, Gösta Berling deinen Mann zu nennen? Gehe von ihm! Ich will ihm Ekeby geben, ich will ihm Macht und Ehre geben – wagst du es, das mit ihm zu teilen? Wagst du es, Glück und Ehre anzunehmen? Ich wagte es. Entsinnst du dich, wie es mir erging? Entsinnst du dich des Weihnachtsschmauses auf Ekeby? Entsinnst du dich des Gefängnisses in Munkerud?«

»Ach, Frau Majorin, wir Sünder gehen hier Seite an Seite ohne Glück. Ich gehe hier einher und wache darüber, daß das Glück nicht an unserm Herd heimisch wird. Glauben Sie denn nicht, Frau Majorin, daß ich mich nach Hause sehne? Ach, ich sehne mich bitter nach dem Schutz und der Stütze des Elternhauses, aber dieser Wunsch wird nie erfüllt werden. Ich muß hierbleiben in Furcht und Beben und mit dem Bewußtsein, daß alles, was ich tue, zu Sünde und Kummer führt, daß ich, wenn ich dem einen helfe, dem andern sicher schade. Zu schwach und zu gering für das Leben hienieden, bin ich doch gezwungen, es zu leben, weil ich an eine ewige Buße gebunden bin.«

»Mit solchen Gedanken betören wir unser Herz!« rief die Majorin aus; »aber das ist Schwäche. Du willst nicht von ihm fort, das ist die Sache.«