Es ward eine berauschende Fahrt in jener Nacht. Sie beugten sich dem Gebot der Liebe und ließen sich von Don Juan entführen. Es war, als wenn das Knirschen
des Schnees unter den Schlittenkufen die Klage des Betrogenen sei. Was kehrten sie sich daran? Sie hing an seinem Halse, und er beugte sich zu ihr hinab und flüsterte ihr ins Ohr: »Kann sich eine Seligkeit mit gestohlenem Glück vergleichen?«
Das Aufgebot – was hatte das zu bedeuten? Sie hatten Liebe. Und der Zorn der Menschen? Gösta Berling glaubte an das Schicksal. Das Schicksal hatte sie bezwungen, gegen das Schicksal kann niemand streiten. Wären die Sterne Hochzeitslichter gewesen, die zu ihrer Hochzeit angezündet waren, wären Don Juans Schellen Kirchenglocken gewesen, die die Leute zu ihrer Hochzeit mit dem alten Dahlberg zusammenriefen – sie hätte dennoch mit Gösta Berling fliehen müssen. So mächtig ist das Schicksal! – – –
Sie waren glücklich und wohlbehalten am Pfarrhof zu Munkerud vorübergekommen. Sie hatten noch eine halbe Meile bis Berga und eine zweite halbe Meile bis Ekeby zurückzulegen. Der Weg führte am Waldesrande entlang, rechts von ihnen lagen dunkle Berge, links ein langes, weißes Tal.
Da kam Tankred herangestürzt. Er lief, als läge er der Länge nach am Boden. Heulend vor Angst sprang er in den Schlitten und verkroch sich zu Annas Füßen.
Don Juan zog mit einem Ruck an und sprang im Galopp dahin.
»Wölfe!« sagte Gösta Berling.
Sie sahen einen langen grauen Strich, der sich am Waldessaum entlang bewegte. Es waren mindestens ein Dutzend.
Anna erschrak nicht. Der Tag war reich an Aben
teuern gewesen, und die Nacht versprach, ihm darin nicht nachzustehen. Das war Leben! So über die schimmernde Schneefläche dahinzusausen, den wilden Tieren und den Menschen trotzend.