Die Tante sprach mit so großem Ernst, daß sich Maja Lisa noch einmal dem Fenster zuwenden und hinaussehen mußte. Der Pfarrer war wirklich ein schöner Mann mit seiner stattlichen Figur und seinen leuchtenden blauen Augen, und er hatte eine laute, fröhliche Stimme, die bis ins Zimmer hereindrang. Der Hausherr hörte ihm mit erfreuter Miene zu, und aus Stall und Scheune eilten die Knechte herbei, das Pferd auszuspannen.
»Sieh, wie sie von allen Seiten dahergelaufen kommen, man merkt, daß der Pfarrer von Finnerud angekommen ist, alle haben ihn gern. Ich denke, er wird nicht gleich wieder wegfahren, sondern eine Weile hierbleiben, da kannst du gleich ein paar Worte mit ihm wechseln.«
Kaum hatte die Tante diese Worte gesagt, als auch schon die Tür aufging und der Pfarrer eintrat.
Schon von der Schwelle aus rief er der Tante zu, ihr Mann habe ihn in den schönen Saal hineinführen wollen,
aber er wolle dort nicht ganz allein sitzen, Mutter Margreta werde wohl nichts dagegen haben, wenn er zu ihr in die Wohnstube komme, denn er müsse vielleicht eine gute Weile hier warten. Sein Bruder, der Verwalter von Henriksberg, habe ihn hierherbestellt, sei aber bis jetzt noch nicht gekommen. Er wisse nicht, was eigentlich los sei; ein Skiläufer habe ihm sehr spät in der Nacht die Nachricht gebracht, und er sei in aller Frühe aufgebrochen, der Hüttenwerkverwalter hätte eigentlich vor ihm hier sein sollen.
Gleich einem Wasserschwall strömten ihm die Worte vom Munde. Tante Margreta ging ihm entgegen, ihn zu begrüßen, und Maja Lisa dachte, sie sei mindestens ebenso erfreut wie die Knechte draußen. Schließlich bekam doch auch die Tante das Wort, und sie sagte, er dürfe im Wohnzimmer bleiben, solange er wolle. Er werde ohnedies nicht mehr oft dieses Weges kommen. Sie müßte ihm ja zu dem großen Amte, das er erhalten habe, Glück wünschen, obgleich sie ihn sehr vermissen werde, wenn er nicht mehr hier einkehre.
Der Pfarrer machte eine ungeduldige Bewegung.
»Ach, ich weiß nicht, was ich tun soll, Mutter Margreta«, sagte er. »Am liebsten würde ich ganz und gar zurücktreten. – Aber zum Kuckuck ... nein, ich will nicht fluchen, bin ja ein Pfarrer!«
Der Ausruf war ihm wegen nichts anderem entschlüpft, als weil sein Blick auf die Pfarrerstochter gefallen war. Sie war bis jetzt ganz ruhig auf der Fensterbank
sitzengeblieben, und er hatte sie vorher nicht bemerkt gehabt.