Die Pfarrerstochter stützte den Kopf in die Hand und seufzte. Wer ihr helfen wollte, mußte bald kommen, denn lange konnte sie es jetzt nicht mehr aushalten. Sie litt zwar an keiner eigentlichen Krankheit, aber sie siechte vor Kummer und Verlassenheit dahin.
Und nicht ihr allein tat Hilfe und Rettung not, nein, ganz Lövdala war in Gefahr. Diese ihre Heimat, wo sie jeden Stein liebte, war dem Verderben geweiht.
Es war jetzt erst Ende April, und man fror beim Stillsitzen auf dem kalten Stein. Sie machte sich langsam auf den Heimweg. Dabei dachte sie aber nicht mehr an sich selbst, sondern nur noch an Lövdala.
Eines Sonntags, es war Ende März gewesen, war der Vater mit der Nachricht von der Kirche heimgekommen, Pastor Liljecrona habe bei dem König um die Erlaubnis nachgesucht, seine Bewerbung um die Propstei in Sjöskoga zurückziehen zu dürfen.
Der Vater hatte beim Mittagessen davon gesprochen, und Maja Lisa war sehr rot und erregt geworden. Sie hatte den Vater sofort gefragt, warum Pastor Liljecrona denn die große Pfarrei nicht angenommen habe. Aber darauf hatte der Vater keine Antwort geben können. Er wußte nur, daß Pastor Liljecrona außerordentlich viel für seine Gemeindeglieder tue, und sagte dann, Liljecrona müsse ein besonders edler Mann sein, wenn er auf Wohlstand und eine hohe Stellung verzichten könne, um bei denen zu bleiben, die ihn brauchten.
Auch die Stiefmutter hatte sich ganz auffallend für Vaters Neuigkeit interessiert. Sie fragte, ob es denn auch wirklich wahr sei, daß Liljecrona Sjöskoga ganz aufgegeben habe? Und als Vater ihr dies bestimmt versicherte, war die Mutter in ihrer rücksichtslosen Weise vorgegangen und hatte gesagt, sie meine, nun sollte sich Vater darum melden.
Der gute Vater war gewiß nicht oft in seinem Leben sprachlos gewesen, aber jetzt blieb er stumm und still sitzen und starrte die Mutter nur an. Er sah fast entsetzt aus, wie wenn er es geradezu für ein Unglück hielte, daß Mutter diesen Gedanken gefaßt hatte. Ach, er war wohl nicht mehr recht sicher, ob er die Kraft hätte, ihr eine abschlägige Antwort zu geben.
Auch Maja Lisa war ganz bestürzt. Fast hätte sie geglaubt, die Stiefmutter scherze; aber dazu war diese nicht angetan. Es war auch gar nicht so töricht gedacht – Maja Lisa hatte selbst oft gemeint, ihr Vater sollte von Rechts wegen mindestens Bischof werden –, aber seit er den Schlaganfall gehabt hatte, wäre es ja das größte Unrecht, wenn man ihn anspornen wollte, sich um ein großes, geschäftsvolles Amt zu bewerben. Der Vater war allerdings in der letzten Zeit viel frischer und jetzt wieder fast ganz wie früher, aber Mutter wußte doch recht gut, daß er nicht mehr bei seiner vollen Kraft war.
Maja Lisa hatte sich gezwungen, zu schweigen. Wenn sie sich mit ihren Einwendungen hervorgewagt hätte, wäre die Stiefmutter erst recht in Eifer geraten. Als die Mutter dann weder von dem einen noch von dem andern eine Antwort erhielt, hatte sie weiter über die Sache geredet.
»Wenn man zu lange auf einer Stelle sitzenbleibt,« sagte sie, »wird man vor der Zeit alt. Nichts trägt sosehr dazu bei, die Bequemlichkeit abzuschütteln, als in eine neue Arbeit hineinzukommen.«