Maja Lisa hatte gedacht, Vater sei schon zu weit in den Jahren fortgeschritten, als daß er durch vermehrte Arbeit wieder frisch gemacht werden könnte; aber immer noch gelang es ihr, zu schweigen. Darauf hatte die Stiefmutter weitergesprochen, als ob es schon beschlossene Sache sei, daß Vater auf ihren Vorschlag eingehe: Natürlich werde ja die ganze Wahl noch einmal vorgenommen, und jedenfalls müsse Vater morgen nach Karlstadt
fahren, um sich danach zu erkundigen; ja, das beste wäre, er führe gleich nach Stockholm und meldete sich persönlich bei Seiner Majestät. Sie wisse, wie gelehrt Vater sei und wie leicht er gute Empfehlungen bekommen könne, weil er ja mehrere Jahre bei den hohen Herren, die jetzt an der Spitze standen, Hauslehrer gewesen sei.
Bis jetzt hatte sich Maja Lisa nur für den Vater geängstigt; aber nun fiel ihr noch etwas anderes ein, und da konnte sie sich nicht länger beherrschen, sondern sie unterbrach die Mutter und sagte:
»Wenn Vater nach Sjöskoga zieht, kann er ja Lövdala nicht behalten.«
Darauf hatte sich die Stiefmutter an Maja Lisa gewandt, und zugleich hatten sich ihre Finger so gekrümmt, daß sie wie Krallen aussahen, und mit ihrer rauhen Stimme, die durch den Haß und Widerwillen, den sie gegen Maja Lisa hegte, fast undeutlich klang, erwiderte sie:
»Dein Vater ist doch nicht verpflichtet, sein Leben lang hier zu sitzen und Lövdala für dich zu hüten. Lövdala könnte er leicht loswerden, dann wäre er ein freier Mann und könnte eine Stellung einnehmen, die passend für ihn ist.«
Der Vater war nun fertig mit essen, und so stand er rasch vom Tische auf. Er war nur zu froh, diese Unterhaltung abbrechen zu können.
Aber jetzt wußte Maja Lisa, was die Stiefmutter damals gemeint hatte, als sie sagte, sie wolle Maja Lisa schon noch weinen lehren. Der Vater mußte sich um
Sjöskoga bewerben, nur weil die Mutter wußte, daß Maja Lisa ihre Heimat über alle Maßen liebte und daß ihr nichts ein so unheilbares Herzeleid zufügen würde als der Verlust ihrer Kinderheimat.
Eine ganze Woche ungefähr mußte die Mutter den guten Vater bearbeiten, ehe sie ihn einigermaßen gefügig gemacht hatte. Dann hatte aber auch die Stiefmutter jeden Tag bitten und drohen und ihren ganzen Willen einsetzen müssen, daß Vater wenigstens nach Karlstadt fahren sollte, um sich nach der Lage der Dinge zu erkundigen. Aber bis zuletzt hatte es ausgesehen, als sollte es ihr nicht gelingen, und sie hätte den Versuch schließlich doch noch aufgeben müssen, wenn ihr nicht etwas zu Hilfe gekommen wäre.