Der gute Vater war jetzt schon zwanzig Jahre Pfarrer in Svartsjö, und in dieser ganzen Zeit hatte er viele Sorgen und vielen schweren Kummer gehabt. Zuerst hatte die Kirche neugebaut werden müssen. Die alte war nämlich abgebrannt, und da mußte er ja für die Wiederaufrichtung sorgen. Der Vater hatte nicht allein beim König um Unterstützung bitten, sondern auch die Hilfe vieler hoher Herren in Anspruch nehmen müssen, und er war überdies von Kirchspiel zu Kirchspiel gereist, um Beiträge zu sammeln.
Als die Kirche endlich fertig dastand, war sie auch in erster Linie Vaters Werk, und seine Gemeinde hatte ihm viel Dank und Ehre dafür zuteil werden lassen.
Aber in der letzten Zeit war es Vater sicher aufgefallen, daß sich seine Gemeindeglieder allmählich von ihm zurückzogen.
Sie kamen nicht mehr wie früher, ihn in allen Angelegenheiten zu Rate zu ziehen. Oh, Maja Lisa wußte wohl, woher es kam! Die Leute glaubten, die Stiefmutter diktiere jetzt Vaters Ratschläge; aber das wußte der gute Vater nicht, er fühlte sich nur zurückgesetzt.
Und gerade wie mit der Gemeinde ging es mit dem eigenen Gesinde. Das Lövdaler Wohnhaus war ja zu Vaters Zeiten damals mit der Kirche abgebrannt, und er hatte schwere Sorgen und große Ausgaben gehabt, bis es wieder aufgebaut war. Alle Leute auf dem Hofe, die schon lange vor Vaters Zeiten da dienten, hatten sich von Herzen über alles gefreut, was Vater als Baumeister und Landwirt zustande gebracht hatte, und wohin er kam, begegnete er immer freundlichen Gesichtern. In der letzten Zeit jedoch war das anders geworden. Vater sah mürrische Gesichter, sowohl im Gesindehaus als in der Küche, und er wollte es durchaus nicht der zur Last legen, die allein schuld daran war, sondern fragte sich nur immer, warum sich denn die alten guten Dienstboten so undankbar und unfreundlich zeigten?
Dies alles half der Stiefmutter in hohem Grad, als sie Vater wegen der Meldung um Sjöskoga bearbeitete. Aber es wäre ihr sicher trotz allem nicht geglückt, wenn nicht auch noch die ärgerliche Geschichte mit dem Kätner Vetter dazugekommen wäre.
Die Pfarrerstochter fühlte sich so müde und matt, daß sie sich nicht recht erinnern konnte, wann das eigentlich gewesen war. Aber sie meinte, es sei wohl Mitte März gewesen, als die Stiefmutter sich vor Angst fast nicht
mehr lassen konnte – weil Vetter aus dem Gefängnis entlassen wieder heimkam.
Vetter wohnte in einer kleinen Kate, eine Strecke nördlich von Lövdala, und eigentlich hätten alle erschrecken müssen, als es ruchbar wurde, daß er wieder da sei, denn Vetter war ein Erzdieb. Aber nun war er schon seit vielen Jahren der Nachbar von Lövdala, und so dachte man nicht weiter darüber nach, ob er daheim war oder nicht, insbesondere nicht, weil man wußte, daß er klug genug war, bei seinen nächsten Nachbarn keinen Einbruch zu verüben.
Sooft Vetter aus dem Gefängnis entlassen wurde, gelobte er sich, nun ordentlich daheim zu bleiben; aber er vermochte eben sein Gelübde doch nicht zu halten. Er hatte Freude an seinem Handwerk und war ebenso stolz auf seine Geschicklichkeit im Stehlen wie die Stiefmutter auf ihre Kochkunst. Die Folge davon aber war, daß Vetter den größten Teil seines Lebens im Gefängnis saß. Als Vater und Mutter heirateten, saß er eben auch wieder hinter Schloß und Riegel, und die Stiefmutter hatte deshalb keine Ahnung davon gehabt, daß ihr nächster Nachbar ein berüchtigter Dieb war.