Aber sie überwand sich und bat den Vater, ihr doch zu glauben, daß sie von alledem nie ein Wort gehört habe.

Des Vaters Finger spielten ungeduldig mit einem zusammengerollten Briefchen, das vor ihm auf dem Schreibtisch lag.

Ja, es sei ihm auch höchst merkwürdig, gab er zu, wie sie das Verhältnis, in dem Pastor Liljecrona zu seiner Haushälterin stand, erfahren hatte, da er es doch bis jetzt nach der Hochzeit sogar vor seinem Bruder habe geheimhalten können. Aber auf irgendeine Weise müsse sie es eben doch erfahren haben, und wie sie es dann übers Herz gebracht habe, so rasch abzuurteilen, das sei ihm unerklärlich; ob sie denn gar nicht begriffen habe, daß die andere die heiligsten Rechte hatte? Selbst wenn sie nicht die rechtmäßige Gattin gewesen, ja selbst wenn sie von niederer Herkunft war, hätte eine so lange Treue, eine so große Aufopferung auch bei dem Hartherzigsten auf Erbarmen rechnen können.

Noch einmal mußte die Pfarrerstochter ihren Vater bitten, zu entschuldigen, aber sie wisse immer noch nicht, was sie Böses getan habe.

Dem Vater war es außerordentlich widerwärtig, so viele Erklärungen geben zu müssen, das war nur zu

deutlich; große Schweißtropfen perlten ihm auf der Stirn.

Nun, wenn es eine Neuigkeit für sie sei, so wolle er ihr sagen, daß Pastor Liljecrona vor vielen Jahren versprochen habe, die Frau, die jetzt seine Gattin sei, zu heiraten. Es sei beschlossen gewesen, daß die Hochzeit stattfinde, sobald er eine Stelle habe, auf der er eine Frau versorgen könne, damit diese nicht mehr die Magd machen müsse. Sie habe auch bis letzte Weihnachten nicht die allergeringste Angst gehabt, er werde sein Wort nicht halten. Aber da hatte Pastor Liljecrona eine kleine Reise gemacht – vorgeblich, um mit seinem Bruder zusammenzutreffen. Er war aber nur bis zur Svansskoger Herberge gefahren, und nach seiner Rückkehr war er vollständig verändert, trübsinnig und aufgeregt und von der Hochzeit war nie mehr die Rede gewesen. Da hatte sich die Haushälterin erkundigt, mit wem er denn in Svansskog zusammengetroffen sei.

Jetzt wendete sich der Pfarrer direkt an Maja Lisa. »Du weißt am Ende nicht einmal, wen er da getroffen hat?«

»Doch, Herr Vater, das weiß ich, mich hat er dort getroffen. Und Pastor Liljecrona hat den ganzen Tag sehr einfach und natürlich ganz wie ein guter Bruder mit mir gesprochen.«

Wieder machte der Vater eine Bewegung, als sei er über ihre Halsstarrigkeit ganz verzweifelt.